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Arundhati RoyZorniger Protest gegen den Krieg

Zur Kontroverse um Arundhati Roy

Von Srilatha Neitzel

Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy hat kurz nach dem Attentat in New York und Washington sowie nach dem Beginn der Bombardierung auf Afghanistan je ein Essay in dem indischen Wochenmagazin Outlook veröffentlicht (die deutschen Übersetzungen erschienen u.a. in der Emma, FAZ und dem Spiegel). Ihr Mut ist bemerkenswert. Wir leben in einer Zeit, in der kaum öffentlich Kritik am Krieg in Afghanistan geäußert wird, geschweige denn die Hintergründe des weltpolitischen Konflikts hinterfragt werden.

Wer es dennoch wagt, muß mit persönlichen Anfeindungen und Entlassungsdrohungen rechnen (siehe Ulrich Wickert). Wer im Namen der Freiheit einen Krieg führt und diesen damit moralisch rechtfertigt, darf nicht Rede- und Gedankenfreiheit eingrenzen. Deshalb sind die beiden Aufsätze von Roy ein wichtiger Gedankenanstoß gegen den Versuch, die Welt in Schwarz und Weiß, Gut und Böse einzuteilen.

In ihrem ersten Essay versucht Roy zu erklären, woher der Haß auf die amerikanische Regierung kommt. Sie weist darauf hin, dass "der Haß eigentlich nicht der Bevölkerung, sondern alleine der Regierung gilt". Eine Regierung, die die Feinde Amerikas als "Feinde der Freiheit" beschreibt. Aber, so gibt Roy zu bedenken, wenn es ein Anschlag auf die Freiheit war, warum war nicht die Freiheitsstatue das Ziel? Sie fragt sich, wer kann soviel Haß verspüren, um solch einen unmenschlichen Anschlag auszuführen. Ohne diese Frage letztlich beantworten zu können, verweist sie - zugegebenermassen polemisch - auf die Millionen Opfer, die das Resultat US-amerikanischer Interessenpolitik seien.

Sie verurteilt die überstürzte Bildung der "internationalen Allianz gegen den Terror", die die UNO einfach links liegen gelassen hätte. Sie befürchtet Amerika werde einen Krieg gegen, ja gegen "wen?", führen..., und andere Länder auffordern, sich an dieser "nachgerade göttlichen Mission ('Operation Grenzenlose Gerechtigkeit') aktiv zu beteiligen."

Ihre umstrittene Hauptaussage des ersten Essays ist der Vergleich zwischen Bush und Bin Laden. Letzterer sei der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten, der "brutale Zwilling alles angeblich Schönen und Zivilisierten".

In ihren 2. Essay schreibt sie voller Bitternis, dass nichts einen Terroranschlag entschuldigen und rechtfertigen könne, ob er nun von religiösen Fundamentalisten - oder ob er als der Vergeltungskrieg einer anerkannten Regierung daherkomme.

Fundierter und mit weniger emotionalen Aussagen wie im ersten Essay ruft sie in diesem die Völker auf, den Krieg zu beenden und andere Auswege zu finden. Der Krieg, so Roy , ist sicherlich nicht der richtige Weg, den Terrorismus zu besiegen, denn jetzt müssen beide Völker (Amerikaner und Afghanen) in ständiger Angst vor blindem und unberechenbaren Terror leben.


Roy wirft der westlichen Welt, vor allem den Amerikanern, Unsensibilität anderen Völkern gegenüber vor. Als bestes Beispiel nennt sie die Nahrungspakete, die mit den Bomben herabgeworfen wurden. Abgesehen von dem Inhalt (rein vegetarisch, wie es Brauch ist bei den Muslimen!!!), werden die ca. 500.000 Pakete kaum ausreichen, den Hunger und das Elend der Menschen in Afghanistan zu mildern. Und viele werden beim Versuch, an eines dieser Pakete zu kommen, auf Minen treten.

Sie betont, dass durch Kriege der Terrorismus nicht zu bekämpfen sei. Man könne durch das Unterstützen der Feinde des Feindes keine Kriege gewinnen. Dennoch unterstützte man jetzt die Milizen der Nordallianz, die sich nicht viel von den Taliban unterscheiden. Ist Terrorismus dann Terrorismus, wenn Menschen in Amerika angegriffen werden, oder auch wenn unschuldige Frauen in Afghanistan gesteinigt werden? Sind die Rebellen in Kaschmir Terroristen oder Freiheitskämpfer. Nach Roy gibt es keine vernünftige Definition von "Terrorismus".

Sie äußert sich skeptisch über politische Lösungen nach dem Sturz der Taliban. Am Ende würden doch nur die Interessen des Westens berücksichtigt werden. Und sei der neue Herrscher (der Ex-König Zahir Schah) oder die neue Regierung nicht "artig", würde man sie halt wieder absetzen.


Schließlich warnt sie davor, die Bürger- und Freiheitsrechte auf dem "Altar der Terrorismusbekämpfung zu opfern". Sie seien jetzt schon schwer verletzt und blutig angeschlagen.

Lösungen kann Roy uns nicht bieten. Jedoch fordern ihre beiden Essays uns zum Nachdenken auf, zum Umdenken nach dem ersten Zorn. Politiker handeln nach sogenannten "nationalen" und ihren eigenen Interessen, die Opfer sind immer die Bevölkerung. Befreien wir uns vom Patriotismus und religiösen Wahn, denken wir um, suchen wir nach einem Weg, fernab von jeglichem Fundamentalismus und religiösem Wahn.

Nicht der freie Markt, die Ölindustrie und die Macht ist wichtig, sondern die Freiheit und Gleichheit der Menschen. Und zwar aller Menschen, unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Religion und Staatsbürgerschaft. Nur dann läßt sich der Terrorismus an seinen Wurzeln packen.

Link zum zweiten Roy-Essay "Krieg ist Frieden"

 

 

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