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Ausgabedatum: 28.12.2003 |
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Gesellschaft |
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JUDAV und PRAVAH arbeiten in Jharkhand Von Detlef Stüber Der neu geschaffene Bundesstaat Jharkhand ist ein reicher Bundesstaat. 27% der indischen Mineralien werden hier gefördert. "Jharkhand" bedeutet "Wald - Land". Dementsprechend wohnen hier besonders viele Adivasi, indische Ureinwohner, die in unterschiedlichen Gruppen z.T. noch heute im Wald und von seinen Produkten leben. Der hohe Adivasi-Bevölkerungsanteil hat auch im Jahr 2000 zur Bildung des neuen Bundesstaates geführt. Endlich sollten Adivasi über Adivasiland bestimmen können. Zuvor hatte sich jedoch viel verändert im "Wald-Land". Der Wald, der 1949 noch 63% Prozent der Fläche bedeckte, wurde auf 10% Prozent abgeholzt. Der indigene Bevölkerungsanteil ist von 67% auf 27% gesunken. 6,5 Millionen Adivasi wurden für Industrievorhaben vertrieben. Bild (ASW): Bildung ist für viele Adivasis der erste Schritt zur Verbesserung der Lebensverhältnisse
In dem Adivasi-Bundesstaat bilden Adivasi heute eine Minderheit. Alle wirtschaftlich interessanten Bereiche haben sich längst Nicht-Adivasi angeeignet. Adivasiland darf grundsätzlich nicht veräußert werden. Für schnelle Transportwege enteignet jedoch die Regierung großzügig. Ein 5 km breiter Streifen entlang der Straßen wird zu Industriezonen erklärt. Jharkhand war früher ein Teil des feudal geprägten Bundesstaates Bihar. Die Machtstrukturen wurden fast unverändert übernommen. Wem gehört das Land? Den Adivasi werden auch im Adivasistaat Bildung, Kultur oder gar die Menschenwürde häufig abgesprochen. Selbst Regierungsstellen oder Polizeivertreter behandeln die ehemaligen WaldbewohnerInnen wie Luft. Da müssen Menschen sich schon sehr gut im Rechts- und Behördensystem auskennen, um ihr Interesse dort effektiv zu vertreten. Hier setzen PRAVAH und JUDAV an. In Abendschulen vermitteln sie den Menschen: Was sind eure Rechte, wie könnt ihr sie vertreten, was benötigt ihr dazu, wie könnt ihr gemeinsam die Situation verbessern, welche Probleme sind die dringlichsten und wie könnt ihr für die Zukunft wenigstens ein bisschen vorsorgen. Die Themen Geschlechterrollen, Ökologie, Schulbildung, Landrechte und Kastensystem bieten zusätzlichen Problemstoff. Lange dauert es, die realen Verhältnisse zu verändern. Dörfer verschiedener Stammesgruppen und auch Nicht-Adivasi in ähnlicher Lage müssen sich zusammentun und vernetzen, Männer und Frauen müssen an einem Strang ziehen. Die Nichtregierungsorganisationen haben die Erfahrung und den Weitblick, diese Prozesse zu initiieren und zu unterstützen. Im Dorf Cidi haben sie in einem ersten Schritt Tagesschulen eingerichtet. Eltern müssen nun keine Belästigungen ihrer Töchter bei weiten Wegen zu staatlichen Schulen fürchten. Im Schatten eines Baumes findet der Unterricht statt. Die Tafel ist ein Stück schwarze Plastikplane. Größere Kinder bringen ihre jüngeren Geschwister mit. Viele lernen nun schon früh lesen, schreiben, rechnen, erfahren etwas über Umweltprobleme und ihre Kultur, die zu diesem Bundesstaat geführt hat. Leben spendendes Wasser Gräben, Dämme, Einebnungen waren erste Schritte. Von einem nahen Wasserloch sollte das Wasser rund 200 Höhenmeter zu den Feldern transportiert werden. Ohne eine Dieselpumpe ließ sich das nicht bewerkstelligen. Die BewohnerInnen beider Dörfer brachten einen Teil des Geldes auf. Für den noch fehlenden Betrag gaben die ASW-geförderten Organisationen PRAVAH und JUDAV Kredite. Der Sprecher des Wasserkomitees bringt es auf den Punkt: "Früher sah es hier aus wie in der Wüste Rajasthan, schaut wie grün es jetzt hier ist!" Wer das Projekt unterstützen möchte, wendet sich direkt an die Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt: http://www.aswnet.de
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