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Ausgabedatum: 28.12.2003

Baghban
Von Srilatha Neitzel
Amitabh Bachchan und Hema Malini sind ein 'Dream Team', aber das Drehbuch nimmt dem Film die Klasse......

Film:

Story:

Musik:

Schauspieler:

Regie: Ravi Chopra
Schauspieler:
Amitabh Bachchan, Hema Malini, Salman Khan, Paresh Rawal, Mahima Chaudhary
Musik:
Aadesh Shrivastava

Fazit:
Stärke des Films: Amitabh Bachchan und Hema Malini
Schwächen des Films: Klischeehafte Story, veraltete Botschaft.
Musik: Schöne Musik, passend zum Film
Gesamturteil: Ein etwas progressiveres Drehbuch hätte aus diesem Film einen Klassiker machen können.

Die Story
Raj und Pooja Malhotra (Amitabh Bachchan und Hema Malini) spielen ein sehr glückliches Ehepaar, das seit 40 Jahren verheiratet ist. Sie haben 4 Söhne, drei Schwiegertöchter und zwei Enkel. Und dann noch einen Adoptivsohn Alok und dessen Frau Arpitha (gespielt von Salman Khan und Mahima Chaudhary in einer "very special appearance"). Raj arbeitet bei der ICICI Bank und steht kurz vor der Pensionierung.

Er und seine Frau leben in einem gemieteten Haus und haben keine Rupie gespart, sondern das Geld immer in ihre Kinder investiert. Ihr Zukunftsplan ist, im Alter bei den Kindern zu wohnen. Dieser Wunsch überrascht die Kinder so sehr, dass sie sprachlos sind. Denn keiner von ihnen wollen die Eltern aufnehmen. Sie wohnen alle in der Großstadt, alle arbeiten, und die Schwiegertöchter beklagen sich, dass sie keine Lust haben, nach der Arbeit auch noch ihre Schwiegereltern zu versorgen.

Also beschließen sie, den Eltern zu sagen, dass immer nur einer von beiden bei einem Sohn für 6 Monate leben kann, dann wird gewechselt. Die Idee dahinter ist, dass sie davon ausgehen, dass ihre unzertrennlichen Eltern diesen Vorschlag ablehnen werden. Aber da haben sie sich getäuscht. Die Eltern sagen, schweren Herzens, zu. Die Trennung ist schwer für beide, und sie werden von den Söhnen und Schwiegertöchtern schlecht behandelt.

Nur der kleine Raul, der Enkel, steht zu seinem Großvater. Und die Enkelin Payal (Rimi Sen) steht zu ihrer Großmutter, als diese sie vor ihrem Freund rettet, der sie vergewaltigen will (der junge Mann, der gerade das Mädchen belästigt, bekommt weiche Knie als die Großmutter auftaucht...). Raj findet in einem Kaffeehausbesitzer und seiner Frau wahre Freunde, die sich um ihn kümmern. Dort verbringt er viel Zeit, schreibt Briefe an seine Frau und ein Buch.

Als Raj und Pooja nach den 6 Monaten den Wohnsitz wechseln, treffen sie sich am Bahnhof und verbringen einen schönen Tag miteinander und beschließen, dass sie zusammenbleiben. Beim Betrachten eines Autos treffen sie Alok wieder, der aus dem Ausland zurückgekommen ist. Raj und Pooja haben Alok adoptiert und ihm die Schulausbildung geschenkt. Er hat es gut genutzt und ist nun ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Er und Arpitha nehmen die beiden herzlichst auf und bitten sie, bei sich zu bleiben. Zu gleicher Zeit warten die Söhne auf die Eltern und sind sauer, statt sich Sorgen zu machen. Raj und Pooja, die von den Demütigungen ihrer Kinder genug haben, geniessen die Liebe von Alok und Arpitha.

Dann wird das Buch von Raj ein Megaerfolg, und er verdient eine Menge Geld. Als jetzt die Söhne versuchen, sich wieder den Eltern zu nähern, weisen beide sie ab. Nur den loyalen Enkeln gegenüber verhalten sie sich wie liebende Großeltern.

Fehlbesetzungen
Amitabh Bachchan und Hema Malini sind ein tolles Paar. Die Chemie stimmt, und es ist schön, diese beiden wieder als Paar in einem Film spielen zu sehen. Hema ist immer noch das "dream girl" und Amitabh spielt mit sehr viel Gefühl seine Rolle. Ausser Paresh Rawal und Salman Khan sind alle anderen Figuren austauschbar, bzw. vollkommen fehlbesetzt.

Die Söhne sind farblos, die Schwiegertöchter machen alle immer das gleiche Gesicht. So verliert man schnell die Übersicht, wer wer ist. Auch sieht z.B. die eine Schwiegertochter eher wie die gleichaltrige Schwester ihrer Tochter aus. Hat man beim Casting geschlafen?

Nervige Product-Placements und schlechtes Drehbuch
Etwas nervend sind auch die Produkt-Placements im Film. Immer wenn Pooja am Anfang des Filmes den Tee kocht (und das macht sie oft), überlegt man kurz, ob das ein Werbespot ist. ICICI Bank war wahrscheinlich der Hauptsponsor, aber auch eine bekannte Autofirma wird prominent eingesetzt.

Aber diese Placements sind heute ja Gang und Gebe, was diesen Film aber die Klasse nimmt, ist das Drehbuch. Ravi Chopra hatte den Film vor 30 Jahren geplant, damals mit Dilip Kumar in der Hauptrolle, hat aber erst jetzt den Film gedreht. Leider hat er vergessen, die Story etwas den aktuellen Zeiten anzupassen. Ideen, die damals normal waren, wirken heute etwas antiquiert.

Das Eltern nicht für ihre eigene Zukunft vorsorgen, sondern sich vollständig auf ihre Söhne verlassen, ist etwas zu altmodisch für die Gesellschaftsklasse, die dargestellt wird. Auch ist das System der Großfamilie immer schwieriger in einer Arbeitswelt aufrechtzuerhalten, wo man bereit sein muss, ständig seinen Standort zu wechseln.

Statt das Problem dieses Systems darzustellen, werden die Söhne und ihre Frauen völlig schwarz gemalt: herzlos, geldgierig, egoistisch. Die Eltern sind rein, gut, halt gottähnlich, die ihren Tribut fordern für die Erziehung und Liebe, die sie ihren Kindern haben zukommen lassen. Alok und seine Frau dagegen sind zu gut, um wahr zu sein. Im Ganzen erinnert der Film an eine Soap Opera, wo nur schwarz und weiß Platz haben.

Hätte der Regisseur nur einen Sohn und eine Ehefrau genommen und gegenseitiges Verständnis für das Verhalten der Eltern und der Kinder vermittelt, hätte dieser Film richtiggehend Tiefsinn bekommen. Vielleicht hätte man die Familie sogar am Ende zusammenführen können, aber jede Seite etwas weiser und toleranter, die Ansichten der Anderen akzeptierend.

Der Newsletter meint:
Man kann sich den Film anschauen, besonders um das "dream team" Amitabh und Hema nicht zu verpassen. Auch werden sicherlich einige Tränen fliessen, aber es ist schade, dass es der Film versäumt, Denkanstöße an das Publikum weiterzugeben.

 

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