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Ausgabedatum: 09.04.2002 |
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"Krieg und Frieden" - Der auf der Berlinale gezeigte neue Dokumentarfilm von Anand Patwardhan hätte aktueller nicht sein können. Er thematisiert die Bedrohung des Friedens, seitdem nun auch in Südasien durch die Nuklearbewaffnung ein neue Runde des Wettrüstens eingesetzt hat. Der durch den 11. September aufgeschreckte Mitteleuropäer dürfte nach dem Sehen dieses Films den Filmsaal noch unruhiger verlassen, als er ihn zuvor betreten hat. Vielleicht war dies auch das Ziel des Filmemachers. Doch aus der Ferne gesehen ist es eher schwer zu sagen, worum es Anand eigentlich gegangen war. Konzeptionell hatte Anand den Film in sechs Kapitel eingeteilt. Beginnend von den Nukleartests im Jahre 1998 und den Reaktionen der Bevölkerung in Indien und Pakistan, über die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki bis hin zur militärischen Zusammenarbeit zwischen Indien und den USA und den Waffengeschäften im heutigen Indien reicht das Spektrum des Films. In allen diesen Kapiteln sollten die Widersprüche zur politischen Tradition Gandhis aufgezeigt werden. Sicherlich zeigte hierbei der Film die Gefahren der Aufrüstung. Und einige seiner Dokumente waren auch aufschlußreich und informativ. So wies der Filmemacher z.B. nach, daß die radioaktive Strahlung in der Nähe der Teststelle von Pokhran in Rajasthan oder der Uran-Fabrik in Bihar überdurchschnittlich hoch ist und Jahre hinweg die Todesrate unter der dort lebenden Bevölkerung angestiegen ist. Politiker hingegen ignorieren diese Tatsachen und verschleiern sie. Kraftvoll war hierbei auch die Aussage eines ehemaligen höheren Beamten der Atombehörde, wonach Indien auf einer tickenden Zeitbombe sitzt. In den Atomkraftwerken werden die elementarste Sicherheitsbestimmungen nicht eingehalten. Mehrere Unfälle haben sich bereits ereignet, die nie bekannt gemacht wurden. Doch Anands Konzept, den Film in einzelne Kapitel aufzuteilen, ermöglichte es ihm auch, so ziemlich alles in sein dreistündiges Werk hinein zu packen, so lange es sich um Atome, Kriege und Indien handelte. Herausgekommen ist daher eher ein ziemliches Chaos, als denn die künstlerische Verarbeitung einer Idee. So ähnlich ging es ebenfalls dem anderen auf der Berlinale gezeigten Dokumentarfilm von Pankaj Rishi Kumar: Pather Chujaeri. Er thematisierte die besondere Theaterform Kashmirs, die Bhands, die durch den dortigen Bürgerkrieg jedoch vom Aussterben bedroht ist. Wie auch immer, beide Dokumentarfilme wichen deutlich vom üblichen Indien-Klischee ab. Sie hielten uns ein Indien vor Augen, daß immer gewalttätiger wird, und sie zeigten, was das Land bereits durch Rüstung und Krieg verloren hat. |
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