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Ausgabedatum: 30.07.2003 |
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Kolumne - Indien: Ein Blick von unten |
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Ein Blick von unten - Teil 2 Der zweite Beitrag weist auf das neu gegründete "Indische Institut für Dalit - Studien", zwei Filme über Dalits und Adivasis sowie auf die politische Bedeutung der ausschließlich für Dalits und Adivasis reservierten Wahlkreise für die Machtverteilung im indischen Unterhaus (Lok Sabha) hin. Indian Institute of Dalit Studies in Neu Delhi gegründet. In dieser Frage scheinen die Amerikaner den Deutschen und Europäern wohl insgesamt um Längen voraus zu sein. Aber es gibt auch lobenswerte Ausnahmen. So berichtete mir der für Indien zuständige Mitarbeiter der Schweizer Hilfsorganisation "SWISSAID" in Bern, daß ihr Indien-Büro in Bangalore von einem akademisch qualifizierten Dalit geleitet würde, in guter Eintracht übrigens sowohl mit oberkastigen als auch religionsmäßig nicht dem Hinduismus zuzurechnenden Mitarbeitern. Deutsche, darunter prominent die politischen Stiftungen mit ihren Büros in Delhi, beschäftigen und fördern dagegen weit überwiegend Oberkasten-Angehörige, u. a. im Namen von Armutsbekämpfung, Emanzipation und "gender", meistens unausgesprochen aber dennoch wohl bewußt, das scheint auch für Sozialdemokraten zu gelten, als Elite-Förderung. Interessanterweise konterte der sonst eher zurückhaltende Prof. Sukhadeo Thorat, Instituts-Direktor dieses neuen Dalit-Zentrums, meinen Hinweis, auch Kontakte zu europäischen Verfechterinnen des "Gender"-Ansatzes aufzunehmen, mit der spontanen Bemerkung, "die mir bekannten sind reaktionär eingestellt". Er spielte damit auf die einseitige Förderung in aus deutschen und europäischen Steuergeldern finanzierten und fast ausschließlich von sowieso schon privilegierten Frauen der indischen Gesellschaft geleiteten Projekten an. Das "Indische Institut für Dalit-Studien" will die vielfältigen Formen des Mangels, z. B. Hunger und Unterernährung sowie den Ausschluß und die Diskriminierung sozialer Gruppen, d. h. vorrangig Angehörige der ca. 160 Mio. Dalits und ca. 80 Mio. "Adivasis" ("Ursprungsbewohner"), im Entwicklungsprozeß freilegen. Es plant ausdrücklich eine auf Anwendung hin orientierte Forschung, die u. a. kritisch die staatlichen Hilfsprogramme untersuchen soll, auch um soziale Gruppen wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch zu stärken und um ihnen dabei behilflich zu sein, ihre Marginalität zu überwinden. Interessierte können das iids-Faltblatt mit seiner ausführlicheren Selbstdarstellung per Mail anfordern oder vor Ort das direkte Gespräch suchen: E-Mail; dalitstudies@hotmail.com "Unberührbare gegen Arier. Der Kampf um die Seele Indiens." Im Mittelpunkt des Films steht die große Veranstaltung der Konversion Zehntausender zum Neo-Buddhismus am 4. November 2001 in New Delhi, die von dem Dalit Udit Raj, einem ehemaligen Einkommenssteuer-Kommissar und Begründer der neuen "Justice Party", angeführt wurde. Szenen dieses angeblich mit vielen Tricks von der indischen Staatsmaschinerie behinderten Treffens von Menschen aus allen Landesteilen werden, zusammen mit Ausschnitten u. a. aus dem legendären Film "Bandit Queen", durch erklärende Interviews mit führenden Protagonisten dieser großen sozialen Emanzipationsbewegung Indiens kombiniert. Sukhadeo und Vimal Thorat, Gail Omvedt, Kancha Ilaiah Verfasser des Buches "Why I am not a Hindu" und auch der Drehbuchautor Vishal Mangalwadi ("The Quest for Freedom and Dignity") erläutern u. a. "die Jahrtausende alte Unterdrückung der Unberührbaren durch die arischen Invasoren" und die Geschichte ihrer Emanzipationsversuche gegen dieses "unterdrückerische und auf subtiler Apartheid beruhende Herrschaftssystem". Die großflächigen Bilder des mittlerweile auch international renommierten Dalit-Malers Savi Savarkar ("Voice of the Voiceless") illustrieren das Gesagte. "Heute kämpfen die Unberührbaren für ihre Freiheit und Würde mit dem letzten möglichen Mittel: Sie schwören derselben Religion ab, die dieses älteste Apartheid-System der Welt gerechtfertigt hat. Sie entledigen sich der Hindu-Religion zugunsten des Buddhismus, Islam, Sikhismus und Christentums, die eine soziale Revolution in Indien entzünden. Die von den Unberührbaren und unteren Kasten erlittene Verfolgung und Demütigung berührt zehn Mal mehr Menschen als die weltweit durch HIV/AIDS Betroffenen und zwanzig Mal mehr Menschen, die jemals durch Südafrika´s Apartheid unterdrückt wurden. Der wirkliche Kampf wird erst noch kommen." In diesen Worten kommt der immense Zündstoff zum Ausdruck, der die indische Großgesellschaft mit all ihren Segmenten und Ethnien im Vielvölkerstaat in Auseinandersetzungen eines schier unvorstellbaren Ausmaßes in den kommenden Monaten und Jahren, auch mit schrecklichen Ereignissen wie im März und April 2002 bei den Religionsunruhen in Gujarat prägen könnte. Dieser Video-Film wendet sich in seiner englischen Version an ein weltweites und in Hindi auch an ein breiteres indisches Publikum. Seine Premiere fand in den USA am 8. April im Rahmen des Newport Beach Film Festival im Orange County Museum of Art statt. Trotz mancher Einwände, z. B. wurde die politische Dalit-Bewegung der Bahujan Samaj Party (BSP) v. a. im 160 Mio. E.-Staat Uttar Pradesh völlig ausgeblendet, sollte dieser Film von allen sich für Indien interessierenden bzw. sich beruflich damit befassenden Individuen und Institutionen wahrgenommen werden, denn dieses Produkt stammt von genuin sich mit dieser Emanzipations - Bewegung identifizierenden Menschen. Der Produzent und Direktor John L. Pudaite kann über E-Mail erreicht werden: jpudaite@yahoo.com . Spielfilm über den Widerstand von Adivasis gegen die britische Kolonialherrschaft. Zur politischen Bedeutung reservierter Wahlkreise. Die Hindu-Nationalisten betreiben in verschiedenen Landesteilen agressiv eine "Integration" von Adivasis - landesweit etwa 80 Mio. Menschen, darunter auch viele Christen - in die Hindu-Gesellschaft bzw. sie wollen durch eine so genannte "Anti-Konversions-Gesetzgebung" den Austritt durch Bekehrung zum Islam, Christentum oder Neo-Buddhismus aus den oft mehr als repressiven gesellschaftlichen Strukturen verhindern. Die Wahlerfolge der BJP in diesen Wahlkreisen, sehr zum Nachteil des bis in die 80er Jahre dort eindeutig dominierenden Congress (I), verdeutlichen aber auch die intensive Sozialarbeit der hindu-nationalistischen Kaderorganisation "Rashtriya Swayamsevak Sangh" ( Nationales Freiwilligenkorps / RSS ) mit ihren großflächigen Netzwerken und werfen ganz profan ein bezeichnendes Licht auf den Aufstieg und die vorläufige Konsolidierung des Hindu-Nationalismus an den Wahlurnen. |
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