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Ausgabedatum: 25.07.2001

Rohinton Mistry - "Das Gleichgewicht der Welt"

Eine wunderbare Darstellung von Menschen, ihrem Leben, ihren Mißgeschicken und Erfolgen, ihrer Traurigkeit und Freuden und ihrer Suche nach dem Gleichgewicht ihrer Welt.

 

 

 

Inhalt : Titel und Umschlagbild - eine Buddha-Statue - dieses Rohinton Mistry Buchs lassen zunächst nicht ahnen, daß "Das Gleichgewicht der Welt" die Geschichte vier unterschiedlicher Individuen ist, die zufällig in Bombay aufeinandertreffen und zusammen leben.

Da sind zunächst Ishavar und sein Neffe Omprakash, die beide, als Mitglieder der Chamaarkaste von Gerbern und Lederverarbeitern, die Tradition gebrochen und das Schneiderhandwerk gelernt haben und in Bombay ihr Glück versuchen wollen. Desweiteren treffen wir auf Maneck, der - aus einer Kaufmannsfamilie im Himalaya kommend - in Bombay das College besuchen soll. Und da ist Dina, die Witwe, die sich ebenfalls gegen die Traditionen stellt und nach dem Tod ihres Mannes nicht wieder heiratet, sondern versucht, ihr eigenes Leben zu leben.

Alle vier - verschieden in ihrer Herkunft, in ihren Hoffnungen und Zielen - haben jedoch Schwierigkeiten, ihr Leben in der Großstadt zu meistern. So ist es geradezu ein glücklicher Schicksalsschlag, daß ihr Leben aufeinandertrifft, denn was sie jeweils alleine nicht schaffen, ergänzt sich mit dem jeweiligen Leben des anderen. So ist es Dina, die Maneck - und später auch Ishavar und Omprakash - Unterkunft gewährt und den beiden Schneidern zu Arbeit verhilft. Umgekehrt profitiert Dina sowohl von Maneck und der Arbeit der Schneider insofern, als sie durch diese beiden Einnahmequellen ihre Existenz sichern kann. So bilden die vier trotz ihrer Unterschiede für eine ganze Weile nicht nur eine Lebensgemeinschaft und lernen voneinander, sondern auch einen funktionieren Mikrokosmos, und vielleicht ist genau dies "Das Gleichgewicht der Welt".

Urteil: Mistry liefert in seinem immerhin ca. 850 Seiten langen Buch nicht nur die individuellen Lebensgeschichten aller vier Protagonisten und ihres Zusammenlebens. Er beschreibt auch faszinierend Bombay mit seinen nicht enden wollenden Menschenmassen und berücksichtigt dabei auch noch die Maßnahmen des Ausnahmezustandes unter Indira Gandhi in den siebziger Jahren, ohne sich auch nur ansatzweise zu verlieren.

Das Buch ist übersichtlich und geradlinig, in der Darstellung intensiv und real, und trotz der dargestellten Rückschläge und Mißgeschicke, mit denen alle der vier ebenfalls zurecht kommen müssen, an vielen Stellen humorvoll. Und sicherlich gehört genau dies zum Gleichgewicht eines Buches, das man bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen mag. (cr)

Info
Rohinton Mistry, "Das Gleichgewicht der Welt", Fischer Taschenbuch, Frankfurt Main 2001, 18,00 DM

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