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Ausgabedatum: 27.09.2001

BuchcoverChitra Banerjee Divakaruni - "Die Prinzessin im Schlangenpalast"

Von einigen deutschen Frauenzeitschriften zwar hochgelobt, erinnert der Roman um zwei Frauenschicksale an die indische Variante einer "Rosamunde Pilcher".

 

 

Inhalt : In ihrem Roman "Die Prinzessin im Schlangenpalast" beschreibt Chitra Banerjee Divakaruni das Leben zweier Mädchen, Anju und Sudha, die wohlbehütet und von drei weiblichen Bezugspersonen umsorgt - Gouri Ma, der Mutter von Anju, Sadhus Mutter Nalini und der gemeinsamen Tante Pishi, der Geschichtenerzählerin der Familie - im Kalkutta der Gegenwart aufwachsen.

Trotz der engen Freundschaft, die die Mädchen jahrelang aufgebaut haben und die sie dauerhaft verbindet, entwickeln sich Anju und Sadhu zu jungen Frauen, deren Lebensvorstellungen und -wünsche nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Anju das College besuchen und später den Buchladen übernehmen möchte, den ihre Mutter seit dem Tod des Vaters leitet, träumt Sadhu von der Gründung einer Familie. Doch die Ereignisse zerstören auf unterschiedliche Weise die Pläne und Träume beider Mädchen. Die Mutter von Anju, die zunächst die Pläne der Tochter unterstützt hatte, drängt plötzlich auf die Verheiratung der Tochter. Und Sadhu verliebt sich in den jungen Ashok, fügt sich dann aber nach einer für sie schicksalhaften Erkenntnis in die für sie vorgesehene Heirat mit Ramesh.

Inzwischen wird für Anju ein Heiratskandidat gefunden, der - in den USA lebend - die Studienpläne seiner zukünftigen Frau unterstützt. Somit läßt sich nicht nur ein Teil von Anjus Plänen verwirklichen, sondern sie lernt mit ihrem Mann auch eine gemeinsame Ebene des Zusammenlebens und des Liebens kennen. Dagegen zerschlagen sich für Sadhu alle Träume, als sie mit einem Mädchen schwanger wird und sie die Schwiegermutter deshalb zur Abtreibung drängt. Sadhu verläßt daraufhin ihren Mann, um zu ihrer Familie zurückzukehren und ein neues Leben zu beginnen.

Urteil: Von einigen deutschen Frauenzeitschriften zwar hochgelobt, erinnert der Roman an die indische Variante einer "Rosamunde Pilcher": fesselnd auf der einen Seite - in der Beschreibung der Charaktere der beiden Protagonistinnen - jedoch oberflächlich und sprachlich eher dürftig. Auch das Geheimnis um den Verbleib der beiden Väter und die Geschichte der Herkunft Sadhus und ihrer Mutter Nalini wirken zu stilisiert, als daß hier von einer realen Darstellung gesellschaftlicher Verhältnisse einer von Traditionen nach wie vor bestimmten Gesellschaft die Rede sein kann.

Wer also die seichte Bettlektüre sucht und wem die oberflächliche Einsicht in die Lebensentwürfe indischer Frauen genügt, der findet in dem Roman eine spannende Unterhaltung. Wer jedoch einen tieferen Einblick in die Zwiespältigkeit einer Gesellschaft und in die Konflikte indischer Frauenschicksale gewinnen möchte, wird eher enttäuscht. (cr)

Info
Chitra Banerjee Divakaruni, "Die Prinzessin im Schlangenpalast", Diana Taschenbücher, DM 18,00

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