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Ausgabedatum: 24.01.2002 |
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Mulk Raj Anand - "Zwei Blätter und eine Knospe"
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Inhalt : "Two buds and a leaf" der Teekenner erkennt dies als eindeutiges Qualitätsmerkmal eines gute Tees. Und so liegt es fast nahe, das Anand in seinem gleichnamigen Roman, den ich zufällig im Antiquariat einer Berliner Buchhandlung entdecke, wenn auch nicht die Geschichte des Tees, so doch aber die Geschichte derer beschreibt, denen wir einen solch hochwertigen Tee verdanken den Teekulis, die diesen pflücken, damit wir ihn genießen können. Anand schreibt die Geschichte von Gangu, einem verarmten Bauern und seiner Familie aus dem Punjab, der im kolonialen Indien seine Heimat verläßt, um sich als Teepflücker auf einer assamesischen Plantage zu verdingen. Und die Chance scheint gut zu sein: die Reise der gesamten Familie wird bezahlt, das Haus sowie ein kleines Grundstück werden gestellt, und in schwierigen Situationen hilft der Sahib mit einem Darlehen zum marktüblichen Zinssatz oder gar mit einem zinslosen Darlehen aus. Eine Chance also, die Gangu nutzen muß, zumal er nicht gerade mehr der jüngste keine Alternativen hat. Auch bei der Ankunft scheint alles auf eine positive Wendung des Schicksals hinzudeuten. Bei dem versprochenen Haus handelt es sich zwar nur um eine pakka kothi (festes Haus) mit Blechdach, was angesichts der klimatischen Bedingungen außerordentlich ungünstig ist. Aber die Begrüßung durch die neuen Nachbarn ist herzlich. So fällt es Gangu auch nicht schwer, in Kontakt zu kommen. Und auch nach den ersten Gesprächen mit seinen nicht so positiv eingestellten Nachbarn, bleibt Gangu bei seiner Hoffnung. Doch erste Zweifel kommen schnell: nach einer Woche hat die Familie fast nichts verdient, und auch das versprochene Stück Land steht "im Augenblick" nicht zu Verfügung. Und so stellt sich schnell die Frage, ob die "Chance" wirklich eine solche ist und langsam schlägt die sich einstellende Enttäuschung in Wut um. Fazit: Anand, der wohl nicht zu Unrecht als einer der herausragenden Vertreter des sozialkritischen, indischen Romans gilt, hat mit seinem bereits 1937 entstanden Roman einen eindrucksvollen Einblick in die Abhängigkeitsverhältnisse der indischen Kolonialzeit geschaffen, dessen Kern leider auch heute noch vielfach Gültigkeit haben dürfte. Denn wenn es auch die Ausgestoßenen, Unberührbaren und Kulis heute nicht zu den indischen Teeplantagen zieht, so liegen auch ihre Hoffnungen jenseits der Heimat in den Metropolen, für deren Erreichen auch heute noch die letzte Habe aufgegeben werden. Ein Werk also, das zu lesen sich lohnt wegen des hervorragenden Einblicks in die indische Vergangenheit, wegen seiner Bedeutung bis in die Gegenwart und wegen seiner einfachen aber eindrucksvollen Sprache, die den Leser berührt. Leider scheint jedoch das Buch das in der orientalischen Reihe des Beck Verlags erschienen ist - aktuell vergriffen zu sein. Info |
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