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Ausgabedatum: 09.04.2002

Jaishree Misra - "Das Eheversprechen"

Von Corinna Riewe


Jaishree Misra gelingt es - nicht zuletzt auch durch die geschickte Wahl der Ich-Erzählung - den Leser grundsätzlich mit ihrem Roman zu berühren. Dies jedoch leider nicht in gleichem Maße durchgängig...

 

Inhalt : In einer mir bislang unbekannten Reihe des Goldmann-Verlags erschien der Debütroman der in Indien geborenen und aufgewachsenen, heute in England lebenden Jaishree Misra.

Janu, ein intelligentes und selbstbewußte junges Mädchen, lebt mit ihren Eltern in Delhi. Die Eltern, die selbst ihre Heimat Kerala auf der Flucht vor Armut aber auch Rückständigkeit selbst frühzeitig verlassen haben, legen Wert auf eine gute Ausbildung ihrer Tochter in einer katholischen Klosterschule und lassen ihr vergleichsweise viele Freiheiten zukommen, die für eine offene und fortschrittliche Haltung in Erziehungsfragen und hinsichtlich der Rolle von Frauen sprechen lassen.

Doch als Janu sich mit sechzehn in Arjun verliebt, zeigt sich die Verbundenheit der Eltern mit den ihnen bekannten Traditionen. Gemeinsam mit den Großeltern "arbeiten" sie auf eine vergleichsweise subtile Art an der Heirat Janus mit Suresh, die sich bereits im Kindesalter versprochen wurden. Janu, die schließlich dem Druck - nicht zuletzt angesichts der Tatsache, daß Arjun sich für einen längeren Studienaufenthalt in England entscheidet - nicht stand hält, willigt schließlich ein.


Der mit der Heirat einhergehende Umzug in eine Kleinstadt Keralas, ihre Aufgaben als Ehefrau Sureshs, die sich auf eine gewisse Repräsentationsfunktion konzentrieren, Janu dabei aber nicht ausfüllen, und ein Ehemann, der sich für seine Frau nicht wirklich interessiert - all dies erschwert Janu, sich in die neue Schwiegerfamilie einzuleben und sich wohl zu fühlen. Und auch Sureshs Familie ist von der "großstädtischen" Janu nicht wirklich begeistert und läßt sie dies auch in kleinen Spitzen und Bemerkungen regelmäßig spüren.

All dies ändert sich auch nicht, als Janu nach der Geburt ihrer Tochter Riya in Delhi zu Ihrer Familie nach Kerala zurückkehrt. Und so reift in Janu langsam aber kontinuierlich der Gedanke, Suresh zu verlassen, um ein neues Leben zu beginnen.

Fazit: Jaishree Misra gelingt es - nicht zuletzt auch durch die geschickte Wahl der Ich-Erzählung - den Leser grundsätzlich mit ihrem Roman zu berühren. Dies jedoch leider nicht in gleichem Maße durchgängig, denn sprachlich nicht wirklich hochwertig, flaut die Spannung zum Ende hin enorm ab und die Darstellung wird oberflächlich. Während die Konfliktpotentiale, derer sich Janu mit dem Eintreten Ihres Freundes Anju konfrontiert sieht, gut beschrieben und die Schwierigkeiten und Gefühlsschwankungen, die Janu in den ersten Wochen ihrer Ehe durchlebt, recht intensiv vermittelt werden, konzentriert sich das Ende der Geschichte im Wesentlichen auf eine Darstellung der Geschehnisse, ohne tiefere Einsichten in die Gedanken- und Gefühlswelt der Ich-Erzählerin zu geben.

Schade eigentlich, denn was durchaus als Thema Aktualität besitzt und sicherlich eine Realität vieler indischer Frauen sein dürfte, und dessen Darstellung in einem Roman insofern auch durchaus lohnt, wird hier nicht wirklich ausgereizt.

Info
Jaishree Misra: "Das Eheversprechen", Blanvalet-Taschenbuch, Goldmann-Verlag, DM 14,90

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