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Ausgabedatum: 01.12.2002

Mulk Raj Anand - "Gauri"

Von Corinna Riewe


Anands späteres Werk entspricht dem sozialkritischen indischen Roman.

 

Inhalt : Pantschi, der kleine Bauer, heiratet Gauri - eine arrangierte Ehe, die erst nach langen Verhandlungen zustande gekommen war.

Bereits bei den Hochzeitsfeierlichkeiten kommt es zu ersten kleinen "Zwischenfällen", die als Anzeichen dafür, dass die Heirat das Schicksal ungünstig stimmt, hätten gedeutet werden können: Der Brautonkel kann sich eine demütigende Äusserung gegenüber Pantschi nicht verkneifen, Pantschi begeht den Fehler, die Schwelle des Hauses der Brauteltern zu überschreiten, bevor Laxmi, Gauris Mutter, Öl in die Ecken der Türöffnungen hatte gießen können, und er verliert fast die Nerven angesichts der Neckereien, die er - der Tradition folgend - vor der Entschleierung der Braut über sich zu ergehen lassen hat. Doch Gauri gilt als schön und folgsam und stellt sich selbst während dieses Rituals als anmutig und gutmütig heraus, so dass Pantschi guter Dinge ist.

Doch in den Alltag zurückgekehrt, stehen Pantschi und Gauri vor vielen Problemen: Die Tante, in deren Haus das Paar wohnt, versucht - quasi die Rolle der Schwiegermutter übernehmend - Zwietracht zwischen den Eheleuten zu sähen, und Pantschi gerät heftig mit seinem Onkel aneinander. Die Lösung liegt in dem Umzug des jungen Paars in eine Hütte des Rafike Tschatscha, einem muslimischen Töpfer - eine Ungeheuerlichkeit in dem patriarchalischen Hindu-Dorf. Doch anstatt sich das Zusammenleben von Panschi und Gauri vereinfacht, kommen neue Probleme hinzu: eine Dürre kommt über das Land und die bereits verpfändete Ernte fällt aus.

Als Gauri schwanger ist, kommt es zum Eklat: Pantschi, mit der gesamten Situation völlig überfordert, zweifelt an seiner Vaterschaft und schickt Gauri aus dem Haus. Doch im Gegensatz zu Sita, die - dem alten indischen Mythos folgend - ebenfalls von ihrem Mann Rama wegen Verdachts der Untreue verstoßen wurde, fängt Gauri an zu kämpfen, um ihr Kind und ihre Zukunft.

Fazit: Ca. 30 Jahre nach seinem ersten Roman gelingt es Anand wiederum, eine Geschichte zu zeichnen, die dem Anspruch, eine kritische Sicht der indischen Gesellschaft zu zeichnen, ohne sich dabei wertender Aussagen oder Textelemente zu bedienen, umfassend gelingt. Mehr noch: Anand erreicht dies aufgrund seiner einfachen und dennoch einfühlsamen Sprache sowie seinem Talent der Beschreibung subjektiver Empfindungen und Gefühlslagen der Verzweifelten, die auch diesen Roman zu einem herausragenden Leseerlebnis machen. Ein Roman wiederum, der seine Aktualität bis in die Gegenwart hat.

Info
Mulk Raj Anand: "Gauri"; Unionsverlag; 8,90 Euro

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