Indien-Newsletter
.de

Das deutsche Indien-Magazin im Internet

Top-Aktuell

Politik-News

Wirtschafts-News

Entertainment

Boulevard / Sport

Cinema

Bücherwurm

Essen & Trinken

Gastro-Guide

Rezepte

Termine

Links

Wir über uns

Impressum

Archiv

Suche

Ausgabedatum: 04.08.2002

Der Monsun - ein Thema indischer Literatur

Von Corinna Riewe


In indischer Literatur, aber auch in Büchern über oder die in Indien spielen, ist es der Monsun, der immer wieder Erwähnung findet oder gar zu einem wesentlichen Moment des Handlungsstranges wird. Auf sehr unterschiedliche Art und Weise haben den Monsun zwei Autoren in ihre Romane eingebracht.

 


Da ist zunächst Alexander Fraters "Regen-Raga - Eine Reise mit dem Monsum", ein Reisebericht also, dem ich mich zunächst recht skeptisch annehme. Reiseberichte sind für mein Empfinden häufig kurzweilig und Reisebericht-Autoren keine Vertreter hoher literarischer Schule. Ich werde jedoch positiv überrascht.

Frater, selbst Sohn eines schottischen Arztes und auf einer kleinen Insel im Süd-Pazifik geboren, hat bereits als Kind einen Bezug zu Wetter, Winden und Regen, ist die Beschäftigung hiermit ein nicht unwesentlicher Bestandteil des Lebens seines Vaters und dessen Tätigkeit. Insofern fällt es leicht, nachzuvollziehen, dass er - nachdem er aufgrund unklarer gesundheitlicher Beschwerden zunächst in eine Depression verfällt - beschliesst, dem Monsun nachzureisen.

Seine Reise führt ihn dabei durch ganz Indien, vom äussersten Kap Komorin in Südindien über Goa, Bombay, Dehli und Kalkutta bis nach Shillong in Assam, das er nur mit - Behörden bedingten - Schwierigkeiten erreicht. Beeindruckend - und damit auch in erholsamer Weise sich von anderen Reiseberichten durchaus unterscheidend - konzentriert sich Frater dabei nicht auf die Darstellung von Natur und Landschaften.

Es sind vielmehr die Menschen, die ihn auf seiner Reise begleiten und denen er begegnet, die ihm wichtig sind. Und es ist sein Ziel, die Bedeutung und letztlich auch die Faszination, die der Monsun auf die Menschen ausübt, nachvollziehbar und dem Leser begreiflich zu machen. Nebenbei, aber ohne belehrend zu wirken, sondern stets literarisch in den Handlungsstrang des Reiseberichtes eingebunden, lernt der unwissende Leser noch Neues über den Monsun, die Monsunwinde und ihre vielfältigen Auswirkungen auf eine gesamte Natur und eine gesamte Gesellschaft.

Es sind die vielen verschiedenen Facetten, die damit Fraters Reisebericht lesenwert machen: die Fakten, die Darstellungen von Land und Leuten und eine durchaus positiv überraschende leidenschaftliche Sprache, die den Leser ein Stück an der Faszination teilhaben lässt. Ein Buch also, dass durchaus zu lesen lohnt, wenn es auch nicht als literarisches Meisterwerk betrachtet werden kann.
 

Eine ganz andere Bedeutung kommt hingegen der Monsun in Leslie Forbes "Bombay Ice" zu. Rosalind Bengal, genannt Roz, die bereits als junges Mädchen mit ihrer Mutter Indien verlassen hat, kehrt in den Tagen vor dem Monsun nach Bombay zurück, um ihrer Schwester zur Hilfe zu kommen. Diese glaubt sich von einem Transvestiten verfolgt, dessen Motive nicht ersichtlich erscheinen. Roz, als Journalistin in dieser Hinsicht auch nicht unerfahren, begibt sich in eine aufwendige Recherche hinsichtlich potentieller Motive und sieht sich schnell in die teilweise auch widersprüchlichen Verfahrens- und Handlungsweisen "Bollywoods", also der indischen Filmindustrie und seiner vielfältigen Interessenvertreter und Kontrahenten, verstrickt. Der Monsun spielt dabei durchgängig eine nicht unwesentliche Rolle, als dass er die Widerprüche noch auf den Höhepunkt zu treiben scheint.

Die Idee, den Ausnahmezustand einer Stadt kurz vor dem Beginn des Monsuns für den spannenden und den Leser zunächst nicht gelösten Krimi zu nutzen, ist sicherlich interessant. Leider verstrickt sich Forbes aber an manchen Stellen zu sehr in Alchemie und Metereologie, das es schwierig wird zu folgen. Ein bisschen weniger Phantasie und etwas "nüchternere" Darstellung hätte dem Roman nicht nur nicht geschadet, sondern vielleicht ganz gut getan. Ein Buch also, das auch angesichts einer nicht überwältigenden Sprache nicht mehr als mittelmäßig eingestuft werden kann.

Info
Alexander Frater: "Regen-Raga - Eine Reise mit dem Monsun", dtv, momentan vergriffen

Leslie Forbes: "Bombay Ice", Ullstein TB-Verlag, Euro 8,95

Zurück zur Startseite

Fragen oder Kommentare zu dieser Web-Seite an: webmaster@indien-newsletter.de
Copyright 2000 Indien-Newsletter