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Ausgabedatum: 21.11.2001

Vikram Seth - "Eine gute Partie"

Von Corinna Riewe


In seinem Roman "Eine gute Partie" beschreibt Vikram Seth die Geschichte von vier Großfamilien in den ersten fünf Jahren der indischen Unabhängigkeit.

 

Inhalt : Die Unübersichtlichkeit der verwandtschaftlichen Verhältnisse - die beschriebenen Familien sind alle miteinander verwandt oder zumindest freundschaftlich eng verbunden - die vielschichtigen sozialen und gesellschaftlichen Aspekte, die angeschnittenen politischen Themenstellungen, die verschiedenen Orte, an denen die Geschichte stattfindet und nicht zuletzt der Umfang des Romans mit seinen knapp 2000 Seiten; all dies erleichtert nicht den Versuch, eine kurze Inhaltsübersicht über das Werk zu geben.

Lata Mehra, eine 19jährige junge Inderin, lernt in einer Buchhandlung einen jungen Moslem, Kabir, kennen, der jedoch niemals die Zustimmung ihrer Mutter Rupa finden wird. Denn Rupa ist auf der Suche nach einem in jeder Hinsicht geeigneten Heiratskandidaten, wie sie ihn für ihre Tochter Savita in Pran Kapoor bereits gefunden hat.

Pran, Hochschuldozent für englische Literatur, ist in jeder Hinsicht ein respektabler und durchaus sympathischer und aufmerksamer, ruhiger Ehemann. Ganz das Gegenteil hingegen sein Bruder Maan, der sich - obwohl bereits versprochen - in die muslimische Sängerin und Kurtisane Saeeda Bai verliebt. Was zunächst noch als jugendliche Leidenschaft vor der Eheschließung aussieht und so zumindest geduldet wird, entwickelt sich im Laufe der Handlung zu einer Liason mit fatalen Folgen.

Prans Schwester Veena wiederum ist bereits ebenfalls verheiratet, und das Schicksal will es, daß genau in ihrem Haus ein weiterer junger Mann auftaucht, der sich später als ein weiterer Heiratskandidat für Lata herausstellt.

Und so finden sich viele Bande zwischen den vier Familien und den unterschiedlichen Generationen, die die zunächst erscheinende Unübersichtlichkeit nach und nach lösen und nachvollziehbare, enge Bindungen der verschiedenen Individuen herstellen. Verstärkt werden diese persönlichen Bindungen zudem durch die gesellschaftlichen und sozialen Probleme des entkolonialisierten Indien, die alle Individuen auf unterschiedliche Weise in ihrer Existenz berühren.

Seth gibt somit auch einen guten Einblick in die ersten 5 Jahre des unabhängigen Indien und weiß gesellschaftspolitische Fragestellungen der Zeit, wie z.B. der Streit um die Auflösung des Zamindari(Großgrundbesitzer)-Systems, in literarischer Form in seinem Roman hervorragend zu verarbeiten.

Ein Buch also, das sowohl sprachlich als auch von der Komplexität her eindrucksvoll und damit außerordentlich empfehlenswert ist.

Info
Vikram Seth - "Eine gute Partie", Diana Taschenbücher, 1999, DM 29,34, ISBN: 3453165152

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