Indien-Newsletter
.de

Das deutsche Indien-Magazin im Internet

Top-Aktuell

Politik-News

Wirtschafts-News

Entertainment

Boulevard / Sport

Cinema

Bücherwurm

Essen & Trinken

Gastro-Guide

Rezepte

Termine

Links

Wir über uns

Impressum

Archiv

Suche

Ausgabedatum: 07.04.2003

Alan Savage - "Die Herrin der Pagoden"

Von Corinna Riewe


Savage erzählt die Geschichte einer ungewöhnlichen, jungen Frau und versucht zudem Einblicke in eine Gesellschaft und eine Zeit zu geben, die einem großen Teil deutscher "Buch-Leser" sicherlich unbekannt ist...

 

Mit dem Bastei Lübbe Verlag verbinde ich - zugegebenermaßen rein subjektiv, vielleicht voreingenommen und vielleicht gar zu Unrecht - seit jeher "leichte Kost". Große Erwartungen schüren hingegen Beschreibungen oder Titulierungen eines Buches als "Historischer Roman" oder gar "Das große Indien-Epos". So zu Lesen auf der Vor- und Rückseite des soeben in diesem Verlag erschienenen Romans "Die Herrin der Pagoden" von Alan Savage.

Inhalt
Savage erzählt die Geschichte der jungen Angelika Hammond, die Mitte des 19. Jahrhunderts als Hauslehrerin an den Hof der Fürsten von Jhansi kommt. Was zunächst für die Dauer von fünf Jahren angelegt ist, in denen die erst vierzehnjährige Fürstin auf das Leben vorbereitet werden soll, entwickelt sich zu einem mehrjährigen Aufenthalt, in dem auch eine freundschaftliche Verbindung zwischen der erwachsen werdenden Fürstin und Angelika entsteht.

Angelika, die nicht nur Freundin der Fürstin, sondern auch deren Beraterin für alle Lebenslagen wird, entfremdet sich gleichermaßen der britischen Gesellschaft Indiens, die ihr allerdings bereits zuvor skeptisch gegenüber stand. Denn Angelika ist nicht nur gebürtige Preußin, sondern musste zudem aus ihrer Heimat, in der sie mit anderen der Anstiftung einer Revolution bezichtigt wurde, fliehen.

Bewertung
Savage erzählt also sowohl die Geschichte einer ungewöhnlichen, jungen Frau und versucht zudem Einblicke in eine Gesellschaft und eine Zeit zu geben, die einem großen Teil deutscher "Buch-Leser" sicherlich unbekannt ist. Und Savage hat dabei auch seine Hausaufgaben gemacht: dort, wo es um konkrete historische Ereignisse geht, sind diese ordentlich recherchiert, und gerade auch die Beschreibung der britischen Gesellschaft in Indien ist so falsch sicher nicht.

Gleichwohl: Savage bleibt oberflächlich. So können zum Beispiel die verschiedenen Mosaiksteine der Vergangenheit Angelikas im Laufe der Handlung zusammengeführt werden. Inwiefern diese jedoch maßgeblich für die Entwicklung des Charakters der Protagonistin sind, bleibt hingegen völlig unklar. Und so ist man denn auch versucht zu fragen: Warum musste es denn ausgerechnet die aus ihrer Heimat geflohene Revolutionärin sein? Hätte denn die verwitwete und alleinstehende junge Dame nicht gereicht? Und warum heiratet diese den Hindu der Palastwache, selbst wenn dies vorrangig zum Schutz vor den Gelüsten des befreundeten Moslem-Herrschers geschieht?

Auch sprachlich kann das Buch nur bedingt überzeugen. Aus Sicht der Ich-Erzählerin Angelika erzählend, wählt Savage zu Recht einen einfachen Satzbau und berücksichtigt bei der Wortwahl die prüden Denkweisen der europäischen Gesellschaft. Gleichwohl: auch hier ist Savage oberflächlich. Er versäumt es, die einmalige Chance der Ich-Erzählung zu nutzen, nämlich dem Leser einen wirklich tiefen Einblick in die Gedankengänge und in den Charakter des Ich-Erzählers zu geben.

Fazit
Insgesamt ist die Geschichte nett und liest sich flüssig. Von einem "großen Indien-Epos" kann jedoch in keiner Weise die Rede sein. Vielmehr werden durch diese Beschreibung Erwartungen geschürt, die das Buch einfach nicht erfüllen kann. Schade eigentlich, denn den Anspruch an das noch vergleichsweise "junge" Genre des "historischen Romans" kann das Buch durchaus zufriedenstellend erfüllen: eine nette, leicht verdauliche Geschichte auf nicht zu kompliziertem sprachlichen Niveau, die gut recherchiert einen oberflächlichen Einblick in eine andere Zeit und/oder Kultur gibt.

Der Verlag täte sicherlich gut daran, den Klappentext noch einmal zu ändern.

Info
Alan Savage: "Die Herrin der Pagoden"; Bastei Lübbe Verlag; 8,90 Euro

Zurück zur Startseite

Fragen oder Kommentare zu dieser Web-Seite an: webmaster@indien-newsletter.de
Copyright 2000 Indien-Newsletter