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Ausgabedatum: 24.01.2002

Newsletter Special: Krise in Südasien

Hintergrund

Indien und Pakistan

Die Chronik einer schwierigen Beziehung


Das bilaterale Verhältnis zwischen Indien und Pakistan ist seit Jahrzehnten schwer belastet. Doch es kam auch immer wieder zu Perioden der Entspannung. Hier einige historische Schlüsseldaten der Beziehungen beider asiatischen Staaten.

1947: Teilung und Unabhängigkeit. Neben dem säkularen Staat Indien entsteht aus den mehrheitlich moslemischen Gebieten im Osten und Westen das unabhängige Pakistan. Auf beiden Seiten der Grenze kommt es zu Massakern und eine Massenflucht in das jeweils andere Staatsgebiet setzt ein.

1948: Pakistanische Freischärler fallen in Kaschmir ein. Der Hindu-Maharadscha erklärt daraufhin den Anschluß an Indien, das Truppen in die Himalaya-Region schickt. Der erste Kaschmir-Konflikt zwischen beiden Staaten endet mit der de facto Teilung Kaschmirs. Der größere Teil wird später als Bundesstaat Jammu und Kaschmir in die Indische Union eingegliedert.

1954: Beitritt Pakistan zum amerikanischen Bündnissystem (u.a. SEATO - South East Asia Treaty Organisation) zur Eindämmung des kommunistischen Einflusses. Indien verfolgt zunächst eine Politik der Bündnislosigkeit und wird zum Sprecher der "Blockfreien Bewegung". Später nähert es sich der Sowjetunion an.

1960: Indien und Pakistan einigen sich im Streit um die Nutzung des Indus-Flußnetzes, dessen Oberläufe in Kaschmir liegen. Doch die Hoffnungen auf eine dauerhafte Aussöhnung erweisen sich als trügerisch.

1965: Pakistan greift Indien ("Operation Grand Slam") in Kaschmir an. Indische Streitkräfte stossen bis in die Nähe Lahores vor. Durch Vermittlung der Sowjetunion kommt es zum Waffenstillstand. Indien zieht seine Truppen aus Pakistan zurück, das wiederum eine Gewaltverzichtserklärung unterschreibt.

1971: Indien unterzeichnet einen Freundschaftsvertrag mit der Sowjetunion und beendet damit die Ära der indischen Bündnislosigkeit. Indien greift in den pakistanischen Bürgerkrieg zu Gunsten der seperatistischen Bewegung in Ost-Pakistan ein. Die militärische Intervention endet mit der Unabhängigkeit Ost-Pakistans, dem heutigen Bangladesh.

1972: Im Vertrag von Simla verpflichten sich beide Staaten, Probleme nur noch bilateral zu lösen. Pakistan unterzeichnet das Abkommen aber hauptsächlich nur, um seine 90.000 Kriegsgefangenen freizubekommen. In Zukunft wird Pakistan immer wieder versuchen, den bilateralen Ansatz zu torpedieren und eine internationale Vermittlung, besonders im Kaschmir-Konflikt, zu erreichen. Dies wird von Indien vehement abgelehnt, da es seiner regionalen Vormachtrolle widersprechen würde.

1974: Indien zündet in der Thar-Wüste unterirdisch einen Atomsprengsatz. Angeblich soll die Explosion "nur" dabei helfen, die friedliche Nutzung der Kernenergie voranzutreiben.

1979: Einmarsch sowjetischer Truppen in Afghanistan. Pakistan wird als Partner der USA mit Finanzhilfe und Waffenlieferungen aufgewertet. Im Innern fördert der Militärdiktator Zia-ul-Haq verstärkt islamistische Strömungen. Das bilaterale Verhältnis ist äußerst angespannt.

1989/90: Im indischen Teil Kaschmirs starten seperatistische Gruppierungen einen militanten Kampf gegen die Zentralregierung. Dadurch verschlechtern sich auch die Beziehungen zwischen Indien und Pakistan, die im Frühjahr 1990 am Rande eines weiteren Krieges stehen.

1998: Indien zündet mehrere nukleare Sprengsätze und erklärt sich zur Atommacht. Pakistan reagiert mit eigenen Atomwaffentests.

1999: Pakistanische Söldner dringen in den indischen Teil Kaschmirs ein und besetzen strategisch wichtige Gebirgszüge (in den Sektoren Kargil und Drass). Sie können nur unter größten Opfern von der indischen Armee wieder zurückgedrängt werden. Während des sogenannten "Kargil-Konflikts" drohen beide Seiten mehrfach mit einem atomaren Schlag.

Juli 2001: Zum ersten Mal seit zwei Jahren treffen sich die Staatschefs von Indien und Pakistan zu Verhandlungen. Der Gipfel von Agra scheitert jedoch an der Kaschmir-Frage. Es kommt zu keiner gemeinsamen Erklärung.

September 2001: Der 11. September stürzt Südasien in erneute Turbulenzen. Pakistan wird plötzlich wieder zum wichtigen Verbündeten der USA und erhält großzügige finanzielle Hilfen. Indien zeigt sich irritiert und fordert, dass der Kampf gegen den internationalen Terrorismus auch ein energisches Vorgehen gegen die Militanten in Kaschmir einschliessen müsse. US-Präsident George Bush hebt die im Zuge der Atomtests verhängten Sanktionen gegen Indien und Pakistan auf.

Dezember 2001: Bei einem Anschlag auf das indische Parlament in New Delhi werden 13 Menschen getötet. Die indische Regierung beschuldigt Militante aus Kaschmir, die von Pakistan aus operieren. Indische Politiker fordern deshalb einen Angriff auf militärische Ausbildungslager in Pakistan. Beide Seiten versetzen ihre Streitkräfte in höchste Alarmbereitschaft.

 

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