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Ausgabedatum: 28.05.2001 |
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Die Aufgabe, eine kurze Würdigung für Rabindranth Tagore zu schreiben, erweist sich als ein schwieriges Unterfangen. Kann man alles über einen Mann seines Kalibers auf einer Seite zusammenfassen? Gewiss nicht, dass wäre wie Goethe in drei Sätzen vorstellen. Eines jedoch haben beide gemeinsam: sie waren Universal-Genies. |
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Wer war Rabindranath Thakur? Hauptsächlich kennt man ihn als denjenigen, der Gandhi den Namen "Mahatma" gab, als denjenigen, der die indische Nationalhymne schrieb und als den ersten Asiaten, der den Literatur-Nobelpreis gewann. Aber war das alles? Sicher nicht! Es gibt in Kolkhatas 300 Jährigen Geschichte keine Familie, die eine so bedeutsamere Rolle innehatte als die Thakur Familie. Der Name Thakur wurde von den Engländer anglisiert zu Tagore. Rabindranaths Familie gehörte zu den reichsten und mächtigsten indischen Familien im Britischen Raj. Neben Macht hat die Famlie auch immer für Kunst, soziale und religiöse Reformen und Liberalismus gestanden. Rabindranath selbst ist das vierzehnte Kind von Debendranath Thakur, der mit 29 das Familien-Imperium vor dem Bankrott rettete, aber gleichzeitig sich dem askethischen Leben verschrieben hatte, so daß die Bengalen ihn "Maharishi (Großen Weisen) nannten. Rabindranath wurde vorwiegend von seinen Dienern erzogen, da sein Vater das Thakur-Imperium führte und seine Mutter oft krank war. Das strenge Schulsystem setzte ihm zu, so daß er mit 14 sitzenblieb und Privatlehrer bekam. Das Jura-Studium in England brach er ab und widmete sich ganz seiner Liebe zur Literatur, Musik und Kunst. Beeindruckt war er, der typische Stadtmensch, von seinen Reisen durch das ländliche Bengalen, wo er das Landleben kennen und liebenlernte. Aber auch die Armut der Landmenschen nahm er wahr. Diese Eindrücke prägten ihn und sie finden sich in seinen Werken immer wieder. Mit 20 schrieb er seinen ersten Roman, dann Gedichte und Kurzgeschichten. Er ist vor allem ein Romantiker. Er schrieb über die Natur, über die Menschen, die Liebe und verfaßte religiöse Gedichte und Lieder. Seine künstlerische Tätigkeit diente auch zur Verarbeitung privater Tragödien (wie der Tod seiner Kinder, Frau und Eltern). Er schrieb ausschließlich in seiner Muttersprache Bengali. Damit grenzte er jedoch die Leserschaft eng ein. Erst eine englische Übersetzung seines schmalen Lyrikbandes "Gitanjali wurde als erstes asiatisches Werk vom Westen gewürdigt. Er bekommt 1913 den Nobelpreis für Literatur. Neben seiner künstlerischen Arbeit widmete er sich auch der Pädagogik. Eine seiner größten Leistungen ist die Schul- und Universitätsgründung in Santiniketan. Mit 23 heiratete Rabindranath auf Wunsch seiner Familie die 12-jährige Mrinalini und bekommt mit ihr fünf Kinder. Er unterrichtete seine Kinder selbst, um ihnen die schmerzhafte Erfahrung des strengen englischen Schulsystems zu ersparen. Lieber gründete er selbst eine Schule und zwar 1901 im idylischen-ländlischen Santiniketan. Die Grundlage der Schule ist die fortschrittliche Erziehungsmethode aus den Quellen der altindischen Upanishaden. Die Schüler leben in einer Gemeinschaft mit den Lehrern. Unterrichtet wird im Schatten der Bäume. Im Gegensatz zum strengen Schulsystem der Engländer sollen die Kinder dazu befähigt werden, ihre eigenen Talente und Fähigkeiten zu entwickeln. Zusätzlich zur Schule gründete er die Visva-Bharati (die Universität) in Santiniketan. Beide Lehrinstitute existieren noch heute. (sn) Lesetipps: - Martin Kämpchen, Rabindranath Tagore, Eine Biografie, RoRoRo Taschenbuch, 12,80 DM |
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