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Ausgabedatum: 01.12.2002

Devdas
Von Srilatha Neitzel
Sehenswert, jedoch hätte etwas mehr "understatement" den Film zu einem Klassiker machen können.

Film:

Story:

Musik:

Schauspieler:

Regisseur: Sanjay Leela Bhansali
Schauspieler: Shah Rukh Khan, Aishwarya Rai, Madhuri Dixit, Jackie Shroff

"Devdas" ist die x-te Verfilmung eines Literaturklassikers des bengalischen Schriftstellers Sarat Chandra Chatterjee. Devdas ist der Sohn einer hochgestellten bengalischen Brahmanen-Familie in Indien Anfang des 20. Jahrhunderts. Er liebt seine Jugendfreundin Paro, darf sie aber aus gesellschaftlichen Gründen (sie gehört nicht seiner Kaste an) heiraten. Beängstigt schlägt er ihren Vorschlag wegzurennen aus. Paro heiratet einen älteren Witwer und Devdas versucht sein Leid durch Trinken zu vergessen. Sein Freund Chunnilal nimmt ihn mit zu Chandramukhi, einer Kurtisanin. Während sich Chandramuki in Devdas verliebt, kann er Paro nicht vergessen. Das Drama endet mit Devdas Tod vor Paros Haustür.

Das Buch wurde 1917 geschrieben und war von Beginn an ein Bestseller. Die bekannteste und berühmteste indische Verfilmung ist die von Bimal Roy (1955). Damals spielte der exzellente Schauspieler Dilip Kumar die Rolle des Devdas, die Schauspielerin Suchitra Sen (die indische Garbo) glänzte als personifizierte Paro und Vyjayanthimala gab eine beeindruckende Chandramukhi ab. Motilal spielte den Chunnilal: Schauspieler, die bis heute in Indien hochverehrt werden und kaum einer der neuen Schauspielergarde kann ihnen das Wasser reichen. Bimal Roys Devdas wurde selbst zum Klassiker.

Sanjay Leela Bhansali ist bekannt für sensible Filme wie Khamoshi (eine indische Version von "Jenseits der Stille") oder Hum Dil De Chuke Sanam (ein wunderschöner Liebesfilm mit Aishwarya Rai): Eigentlich der richtige Mann, um einen Stoff wie Devdas wieder zu verfilmen. Und er hat seine Sache ordentlich gemacht. Mit Hilfe einiger der besten Schauspieler Bollywoods, mit den schönen Melodien von Ismail Darbar und Nitin Desais extravagantes Bühnenbild schafft er einen modernen Film, der Anfang des 20. Jahrhunderts spielt.

Er nimmt sich die künstlerische Freiheit, einiges an der Geschichte zu ändern, aber das ist vollkommen in Ordnung, da es ja nicht der Aussage der Geschichte schadet. Zum Beispiel fährt Devdas für seine Erziehung nicht nach Kalkutta, wie in der Vorlage, sondern nach London. Die Familien sind nicht normale Mittelklasse-Brahmanen wie im Buch, sondern reiche Großgrundbesitzer, die alle in den teuersten Saris und Stoffen herumlaufen, und die Frauen fallen fast unter dem Gewicht ihrer Juwelen zusammen.

Sehr getreu hat Bhansali die Frauen in bengalischen Saris einkleiden lassen, und immer wieder sagt der eine oder andere etwas auf Bengali, damit der Zuschauer nie vergisst, dass hier eine bengalische Geschichte stattfindet. Für den bengalischen Zuschauer ist dies sehr amüsant.

Shah Rukh Khan spielt wunderbar den Devdas. Kein anderer hätte diese Rolle heute spielen können. Die Sprünge vom arroganten reichen Sohn zum verzweifelten Liebhaber, Trinker oder enttäuschten Sohn gelingen ihm sehr gut. Aishwarya Rai hat längst bewiesen, dass hinter ihrem wunderschönen Miss World-Gesicht sich eine exzellente Schauspielerin verbirgt. Mit einer Leichtigkeit und ohne Angst vor dem Vergleich mit Sushitra Sen (Paro in Bimal Rais Film) spielt sie selbsbewußt die Paro: Einfach zum niederknien. Madhuri Dixit spielt ordentlich, aber sie fällt immer wieder ins Hintertreffen im Vergleich mit Aishwarya.

Im Ganzen hätte Bhansali einige Szenen weniger dramatisch darstellen sollen, z.B. die Aufregung im Haus, als Devdas nach Indien zurückkommt. Das erinnerte eher an Filme wie "Hum apke hain koun" etc. Was dort passend erschien, ist hier lästig. Leise Töne hätten mit dem üppigen Bühnenbild besser harmoniert. Aber dennoch sollte man diesen Film nicht verpassen, falls man mal was anderes sehen will als die ewigen Jugend-Liebesfilme, die irgendwo in der Schweiz aufgenommen wurden.

Eine interessante News ist noch, dass Devdas ausgewählt wurde für die Teilnahme an der Oscar Nominierung. Ob dies eine gute Wahl war, sei dahingestellt. Denn was der indische Zuschauer schätzt, ist noch lange nicht der Geschmack der westlichen Zuschauer.

 

 

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