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Die Atmosphäre: Viele von uns erinnern sich gerne an die 70er Jahre: Willy Brand "wagt mehr Demokratie", Deutschland wird Fußball-Weltmeister im eigenen Land, im Fernsehen laufen Raumschiff Enterprise und Bonanza ohne Werbeunterbrechungen und lange vor den Boysgroups unserer Tage sorgten Smokie und die Bay City Rollers für weiche Knie (vor allem bei den weiblichen Fans). Doch nicht alles war gut in den 70er Jahren. Dies wurde uns beim Betreten des Delhi Palace in Stuttgart schmerzlich in Erinnerung gerufen. Braune Rauhfaster-Tapeten mit Batik-Bildern versprühen den Charme des späten "Gelsenkirchener Barocks". Verziert mit grünen Blumen-Ornamenten scheint das Geschirr direkt aus Omas Küchenschrank zu stammen. Nein, wegen der Atmosphäre sollte keiner das Delhi Palace besuchen.
Das Essen: Nach Überwindung des ersten Schocks schauen wir uns die Menükarte an. Es werden die in Deutschland üblichen nordindischen Fleisch- und Gemüsespeisen angeboten. Mit gerade mal 3 Gerichten kommen Fisch-Freunde im Delhi Palace nicht auf ihre Kosten. "Unsere Gerichte werden frisch zubereitet" heißt es in der Speisekarte - ein erster Hoffnungsschimmer, der Vorfreude auf das Essen weckt. Der Vorspeisenteller enttäuscht nicht. Im Gegenteil: die Pakoras (Gemüse im Teigmantel für 6,80 DM) und Samosas (indische Gemüse-Pasteten für 6,80 DM) sind wirklich frisch zubereitet, was sich am knusprigen und nicht zu fettigen Teig sofort erkennen läßt. Auch die Kartoffel-Erbsen Füllung der Samosas überzeugt. Leider fehlen bei den Pakoras die Auberginen sowie allgemein die Salat-Beilage als Dekoration. Merke: Das Auge ißt immer mit! Dagegen paßt das leicht süßliche Mango-Chutney hervorragend zu unseren Vorspeisen. Als Hauptgang wählen wir Chicken Tikka (mariniertes Hähnchen, gewürfelt und im Ofen gegart, mit Weißkohl-Beilage, 23,50 DM) und Matter Paneer (Erbsen mit Frischkäse, 15,80 DM). Die Zutaten des Matter Paneer sind frisch; die Sauce besitzt einen angenehm milden Charakter, ohne dabei fad zu sein. Die Marinade des Chicken Tikka ist meiner Mit-Testerin zu salzig. Bei den Beilagen - Basmati-Reis mit Saffran und ein vorzügliches Butter Nan - sind wir uns jedoch wieder einig: lecker! Abgerundet wird das Ganze durch einen indischen Chai (Tee), der als Original daherkommt - das bedeutet mit Milch und Zucker aufgekocht.
Service und Preis-/Leistungsverhältnis: Der Service im Delhi Palace ist freundlich, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Zwischen Vorspeise und Hauptspeise wird genügend Zeit gelassen, um sich etwas von den üppigen Portionen auszuruhen. Die Preise für das Essen sind mehr als angemessen. Selbst Vielesser werden mit den großen Portionen einige Mühe haben. Wir vergeben deshalb für das Preis-/Leistungsverhältnis eine sehr gute Bewertung. Unter der Woche gibt es zudem preiswerte Mittagsmenüs von 10,80 - 12,80 DM.
Fazit: Auf Nachfrage erfahren wir, daß das Delhi Palace ein Familienbetrieb ist, mit umgekehrten Vorzeichen - der Mann kocht und die Frau serviert. Entsprechend fällt das Fazit aus: Im Delhi Palace bekommt man gutes, nordindisches Essen wie bei "Mutter" zu Hause und das zu vernünftigen Preisen. Wenn da nur nicht die Inneneinrichtung wäre.... Und Achtung! Beim Besuch des Delhi Palace immer genug Bargeld einstecken, Kreditkarten werden nicht angenommen. (jn)
Infos: Delhi Palace, Tübinger Str. 67, Stuttgart-Süd, Tel.: 0711 / 601 22 30; tägl. 11.30-14.00 und 17.00-23.00 Uhr |
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