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Ausgabedatum: 09.04.2002 |
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Newsletter-Analyse |
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Indien und Russland: "eine wunderbare Freundschaft" In den 50er Jahren waren es Raj Kapoors melodramatische Filme mit ihrer unvergleichlichen Mischung aus Fritz Lang mit indischer Sentimentalität, die ein bisschen Abwechslung in den tristen Alltag des Nachkriegsrussland brachten. In klirrender Kälte standen die Menschen stundenlang Schlange, um einmal wieder etwas anderes zu sehen und zu hören als die Heldengeschichten aus dem Grossen Vaterländischen Krieg. Aus russischer Sicht war Indien politisch und kulturell seit seiner unabhängigen Existenz nicht nur unverdächtig, sondern sogar vertrauenswürdig und umgekehrt hat sich Indien seit jeher furchtlos an den russischen Bären gekuschelt. Ihre innigste Phase erlebten die gegenseitigen Beziehungen 1971, als die damalige Sowjetunion während des dritten indo-pakistanischen Krieges ihren Atomschirm über Indien ausbreitete und es Indien somit erlaubte, gegen die chinesischen Interessen die Bangladesh-Krise zu lösen. Vor diesem Hintergrund kann die tiefe Konsternierung in Indien nicht überraschen, als die Russen nach dem Zerfall des Sowjetimperiums sich zunächst eine zeitlang um ihre eigenen Probleme kümmerten. Doch nicht erst seit dem 11. September ist festzustellen, dass Russland sich auf der Weltbühne zurückmeldet. Die hohen Ölpreise der letzten Jahre haben Russland aus dem wirtschaftlichen Fiasko bis auf weiteres erlöst und der gelungene Machtwechsel zu Putin hat das Vertrauen in eine kontinuierliche Entwicklung Russlands gestärkt. Grund genug für Indien, sich des alten Freundes zu besinnen, um wenigstens ansatzweise an die Vorteile der untergegangenen bipolaren Weltordnung anzuknüpfen. Keineswegs überraschend zeugte daher auch der jüngste Besuch des russischen Aussenministers Iwanow Anfang Februar von fast problemfreien Beziehungen: Russland bestätigt ohne Einschränkung den indischen Standpunkt, dass Kaschmir ein bilaterales, indo-pakistanisches Problem ist. Eine bedeutende Stellungnahme in einer Zeit, da die Notwendigkeiten des Anti-Terrorkampfes zu einer Internationalisierung dieses Konfliktes ganz im Sinne Pakistans einladen; mehr noch erwartet Russland von Pakistan sichtbare Ergebnisse in der Eindämmung des transnationalen Terrorismus und unterstützt damit in der gegenwärtigen Konfrontation unzweideutig die indische Position. Auch in der Rüstungszusammenarbeit sind neue Horizonte gesteckt worden: offenbar erwägt Indien den Kauf eines ausgemusterten Flugzeugträgers von Russland sowie den Erwerb nuklear-angetriebener U-Boote. Neben dem Besitz von Atomwaffen wären dies weitere Insignien eines Grossmachtstatus, den Indien so sehnlich anstrebt. Russlands Interesse ist ausser der sicherlich begrenzten Unterstützung durch Indien in Afghanistan und Zentralasien wohl überwiegend wirtschaftlicher Art. Naheliegenderweise möchte Russland allmählich aus dem vereinbarten Rupee-Handel zugunsten einer Abwicklung in Hartwährungen aussteigen und hat darüber hinaus Bedarf sein Handelsbilanzdefizit zu verringern, z.B. durch die Versorgung des energiehungrigen Indien mit Öl und Gas. Angesichts der Vielfalt der gemeinsamen Interessen ist die gegenseitige Symphatie, welche Indien und Russland füreinander hegen, eine förderliche Voraussetzung für eine Zusammenarbeit, die das Gesicht dieses Weltteils in den nächsten Jahren mitgestalten wird. |
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