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Ausgabedatum: 01.12.2002 |
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Kaschmir - auf dem Weg zu einer Lösung? |
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Den Kaschmir-Knoten durchschlagen - Teil II Langfristige Lösung: Das "vergessene" Referendum In den von den Vereinten Nationen zwischen 1948 und 1949 erlassenen Resolutionen zu Kaschmir heißt es eindeutig: "Wir empfehlen ein Referendum in Kaschmir. Die Bewohner sollen selbst über ihre Zukunft entscheiden". Pakistan ist bis heute ein vehementer Verfechter dieser Lösung. Die Zukunft Kaschmirs, so die offizielle Linie Islamabads, könne allein durch das kaschmirische Volk selbst entschieden werden. Während Indien diesem Vorschlag zunächst zustimmte, lehnte es später eine Volksabstimung ab. Da sich die Kaschmiri an den Regional- und Bundeswahlen beteiligen, so das Argument, haben sie die Zugehörigkeit zu Indien akzeptiert. In Wahrheit jedoch will Indien das Risiko eines Referendums nicht eingehen. Teile der politischen Elite befürchten, dass eine Entscheidung Pro-Pakistan negative Folgen für die muslimische Minderheit in Indien haben könnte. Zudem würde eine Abtrennung Kaschmirs aus religiösen Gründen das eigene säkularistische Staatsverständnis in Frage stellen. Sind diese Ängste Indiens berechtigt? Wäre Indien nicht eher der Gewinner eines Referendums, ganz gleich wie es ausfiele? Das ethnische und religiöse Mosaik von Kaschmir macht es unumgänglich, die Volksabstimmung zu lokalisieren. Zwar lehnt Pakistan dies kategorisch ab, aber am Ende müßte man dieser Vorgehensweise zustimmen. Denn schließlich verweist Pakistan stets auf den Grundsatz der religiösen Teilung des Subkontinents. Das mehrheitlich von Hindus bewohnte Jammu und das von Buddhisten bewohnte Ladakh würden mit großer Wahrscheinlichkeit für einen Anschluß an Indien votieren. Bliebe als Unsicherheitsfaktor das Kaschmir-Tal mit seiner Muslim-Bevölkerung. Der pauschale Verdacht vieler Inder, die muslimischen Einwohner Kaschmirs würden einen Anschluss an Pakistan herbeisehnen, ist realitätsfremd. Die Bevölkerung des Kaschmir-Tales hat ihre eigene Sprache und Literatur. Sie sind stolz auf ihre besondere Tradition, die sie als "Kashmiriyat" bezeichnen. Sie lebten lange in friedlicher Eintracht mit den hinduistischen Brahmanen, den Pandits, die hier die einzige Hindu-Kaste sind. Viele Kaschmiris sind sich bewußt, dass ihre regionale Identität in einem demokratischen Staatswesen wie Indien besser aufgehoben ist. Hinzu kommen handfeste ökonomische Vorteile; kein Bundesstaat erhält so großzügig finanzielle Unterstützung von der indischen Regierung wie Kaschmir. Die Armutsrate in Kaschmir ist trotz Bürgerkrieg die niedrigste in Indien. Was würde im unwahrscheinlichen Fall einer Abstimmung Pro-Pakistan passieren? Heutzutage dürfte ein Progrom, wie es gerade in Gujarat stattgefunden hat, die Muslime in Indien mehr beunruhigen als ein Referendum in Kaschmir. Auch würde die Einheit Indiens nicht in Frage gestellt. Denn ein wichtiges Grundprinzip Indiens ist nicht nur der Säkularimus, sondern auch das demokratische Grundrecht der Bevölkerung. Gewährt man den Kaschmiris das Recht auf Selbstbestimmung, bedeutet dies eher eine Stärkung denn eine Schwächung des Staates. Entscheidet sich das Kaschmir-Tal für Indien, könnte die bisher provisorische Aufteilung Kaschmirs internationales Recht werden. Die bisher bestehende Waffenstillstandslinie würde dann endgültig Staatsgrenze zwischen Indien und Pakistan, der Territorialkonflikt gelöst. Damit dieses entworfene Lösungs-Szenario Wirklichkeit wird, ist der politische Wille der indischen Regierung gefragt. Sie muß endlich zur Einsicht kommen, dass ein Referendum im ureigensten Interesse Indiens liegt. Wird die Abhaltung einer Volksabstimmung offizielle Regierungspolitk Indiens, müßte Pakistan mitmachen, weil es ja stets eine solche Abstimmung gefordert hat. Dann hat der Frieden in Kaschmir und auf dem Subkontinent wieder eine Chance.
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