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Ausgabedatum: 21.11.2001

Lajja - "Scham"
Von Michael Schied
Lajja thematisiert die Gewalt und Unterdrückung gegen indische Frauen - für den Newsletter eine der besten Filme des Jahres.

Film:

Story:

Musik:

Schauspieler:

Produzent: Raj Kumar Santoshi
Regisseur: Raj Kumar Santoshi
Schauspieler: Manisha Koirala, Madhuri Dixit, Rekha, Mahima Chaudhary, Ajay Devgan, Anil Kapoor, Jackie Shroff, Sonali Bendre and Urmila in Special Appearances
Musik: Anu Malik/Ilyaraja
Lyrics: Sameer/Prasoon Joshi

"Wenn die Tränen aufhören zu fliessen, beginnt eine Revolution." Dies ist das Motto, unter dem Regisseur Rajkumar Santoshi seinen neuesten Film "Lajja" stellt. Daß eine Revolution notwendig sei, lernte der Regisseur durch einen Zeitungsartikel, der im Juli 1999 von einer Begebenheit in einem Dorf in der Nähe Kanpurs in Nord-Indien berichtete. Hier wurde eine niedrigkastige Frau vergewaltigt und in ihrem Haus zu Tode verbrannt. Ihr Verbrechen? Ihr Sohn stand in Beziehung zu einem höherkastigen Mädchen.

"Zuerst dachte ich", so Santoshi, " daß diese Dinge nur in Dörfern geschehen. Dann begriff ich, daß sie universell sind. Ob es ein Dorf oder eine große Stadt in Indien oder New York ist, überall müssen Frauen für ihre Rechte kämpfen." Künstlerisch setzt Santoshi diese Erkenntnis dadurch um, daß sein Film die Lebensläufe mehrerer Frauen im heutigen Indien zum Thema macht und sie zu einer Geschichte verbindet.

Im genaueren wird die Geschichte des Films durch die Flucht von Vaidehi (Manisha Koirala) vor den Verletzungen durch ihren Mann Raghu (Jackie Schroff) ausgelöst. Während dieser Flucht stößt sie auf drei weitere Frauen (gespielt u. a. von Rekha und Mahima Chaudhury), die männlicher Unterdrückung und Gewalt ausgesetzt sind. Regisseur Santoshi macht nun vor Kritik an grundlegenden Merkmalen der indischen Gesellschaft nicht Halt.

Er zeigt die Zügellosigkeit, wie eine Heirat durch die ausstehenden Zahlungen von 25.000 Rupien und immer höherer Forderungen der Familie des Ehemannes platzen kann, und wie aufgebrachte politisierte Hindus eine Frau (gespielt von Madhuri Dixit) zu Tode steinigen, da sie es wagte, eine Neu-Interpretation des "Ramayana"-Epos vorzunehmen. Auch offenbart Santoshi u. a. die Strukturen in einem indischen Dorf, die keine andere Herrschaft als die des "Maliks" (Dorfobersten) ermöglichen.

Wie vorherzusehen war, löste der Film in Indien Kritik aus. Zunächst versuchte ein Gericht in Chennai, seine Veröffentlichung unter dem Vorwand der Rückbezahlung ausstehender Kredite zu stoppen. Dann erhoben Arbeiter der Hindu-Partei "BJP" in Bhopal Protest wegen angeblich "anstößiger Dialoge" gegen Hindu-Göttern und -Göttinnen.

Herausgekommen ist jedoch ein Film, der einerseits mit dem Bollywood-Schema von Musik und "Happy End" nicht bricht und daher breite Massen ansprechen könnte, und der andererseits doch anspruchsvoll ist. Die schauspielerischen Leistungen, insbesondere Madhuri Dixits und Ajay Devgans als Rebellenführer, sind Filmpreis verdächtig. Zu unrecht wird der Film daher von der Kritik übergangen und flopte an der Kinokasse. Dies wird u. a. damit erklärt, daß der Film zu viel Dinge mit einem Mal versucht und daß seine Schauspieler in Bollywood bereits ihre Blütephase überschritten haben. Nichtsdestotrotz zählt "Lajja" für mich zu einem der besten Filme diesen Jahres.

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