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| Ausgabedatum: 10.05.2004 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wirtschaft | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| West-Jobs
für Indien: Segen oder Fluch?
Indien hat sich zu einem der wichtigsten "Offshore"-Standorte weltweit entwickelt. Mit "Offshore" wird die Verlagerung von Unternehmenstätigkeiten ins Ausland bezeichnet. Im Auftrag von westlichen IT-Unternehmen, Fluggesellschaften oder Banken werden in Indien Call Center betrieben, Software entwickelt oder Geschäftsdaten verarbeitet. Der Trend zum "Offshore" ist jedoch sowohl im Westen als auch in Indien umstritten. Kostenvorteile Viele amerikanische und britische Unternehmen profitieren derzeit von "Offshore"-Projekten. Die Hälfte der Top-500 US-Unternehmen läßt einen Teil der Informationstechnik-Aufgaben von Indien aus erledigen. Auf diese Weise realisieren die Unternehmen umfangreiche Kostensenkungen. Die US-Fluggesellschaft Delta Airlines betreibt ihre Telefonreservierung von Indien aus und spart somit jährlich fast 25 Millionen US$ ein. Der Computerkonzern IBM und der britische Versicherer Norwich Union planen ebenfalls, Tausende von Jobs nach Indien zu verschieben. Und das aus gutem Grund: in Indien verdienen Software-Programmierer jährlich gerade mal ein Achtel dessen, was US-Programmierer für dieselbe Arbeit erhalten. Der Stundenlohn für Finanzanalysten beträgt in Indien ca. 15 US$, in den USA müssen Banken & Versicherungen mit dem dreifachen Betrag kalkulieren. Die Investmentbank Brean Murray schätzt, dass jeder Arbeitsplatz, der nach Indien verlagert wird, der US-Wirtschaft Kostenvorteile in Höhe von 20.000 bis 30.000 US$ einbringt. Die Kehrseite der Medaille Was des einen Freud, ist des anderen Leid. Während in Indien neue Jobs entstehen, fallen in den westlichen Industrienationen Arbeitsplätze weg. In Amerika sollen durch "Offshore"-Projekte jährlich je nach Schätzung 300.000 bis 500.000 Arbeitsplätze verloren gehen. Beschäftungspolitisch formiert sich in den westlichen Staaten deshalb massiver Widerstand. Der US-Senat hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, nach dem Staatsaufträge nur noch an Unternehmen vergeben werden, die keine Arbeitsplätze ins Ausland verlagert haben. Nach einem Gesetzesvorschlag des demokratische Herausforderers von George W. Bush bei der US-Präsidentschaftswahl, John Kerry, sollen Mitarbeiter in Call Centern bei ihren Anrufen den Ort ihres Arbeitsplatzes angeben müssen, um Arbeitgeber mit ausländischen Arbeitsplätzen zu diskreditieren. Bei einigen Unternehmen beginnt sich jedoch der Trend wieder umzukehren. Der Computer-Hersteller Dell beispielsweise verlagert einige Indien-basierte Call Center wieder in die USA zurück. Als Gründe gibt das Unternehmen Beschwerden über den indischen Akzent sowie Qualifikationsmängel an. "Cyber-Kulis"? "Offshore"-Projekte rufen nicht nur im Westen, sondern auch in Indien selbst Kritik hervor. Der einflussreiche Journalist Praful Bidwai sieht in der Nutzung Indiens als Billiglohnland eine neue Form der wirtschaftlichen Ausbeutung. Für ihn sind die in Call Center Beschäftigten "Cyber-Kulis" mit geringer Qualifikation, die für wenig Geld unter zum Teil unerträglichen Arbeitsbedingungen schuften müssen - viele von Ihnen leiden unter Schlaflosigkeit, Depressionen und Ohrinfektionen". Assim Hander, Personalmanager von Excel, einem Call Center in New Delhi kann die Kritiker gut verstehen, verweist aber auch auf die wirtschaftlichen Vorteile von "Offshore"-Projekten. So böten Call Center gerade gering qualifizierten Arbeitern in ländlichen Gegenden eine Beschäftigungschanc, die sie woanders nicht erhalten würden. Zudem werden in Indien nicht nur einfache Arbeiten wie die englischsprachige Besetzung eines Call Centers erledigt, sondern auch die Entwicklung von Hochtechnologie vorangetrieben. Mehr und mehr Inder kehren deshalb aus den USA in ihre Heimat zurück. US-Medien und die indische Presse berichten sogar übereinstimmend, dass Personen, die in den westlichen Ländern keine Anstellung finden, es in Indien versuchen, wo der Markt im IT- und Dienstleistungssektor aufgrund von Arbeitsauslagerungen aus den USA und der EU weiter boomt. |
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