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Rikscha – Rikscha – eine Ausstellung auf Rädern Von Corinna Riewe Sie heißen „samlor“, „becak“ oder „cyclo“ – es gibt sie in Indien, Nepal, China ... und inzwischen auch in Berlin, München, Gießen oder Prag ...
Doch wo kommen diese Fahrzeuge eigentlich her? Und was bedeuten sie für die Menschen, die sich von ihnen transportieren lassen, und vor allem für die, die sie – in welcher Art und Weise auch immer – bewegen?
Sicher ist der genaue Ursprung der Rikscha nicht – sicher
ist aber, dass sie um 1860 in Japan erfunden wurde und von dort aus ihren
Siegeszug in die ganze Welt antrat Dabei hat die „echte“ Rikscha weder Fahrrad, Motorroller
oder Pferd als Antriebskraft, sondern den Mann an den langen Holmen, der das
zweirädrige Gefährt vorantreibt. Und wer einen Rikscha-Wallah schon einmal bei
seiner Arbeit beobachtet hat, den wundert es nicht, dass in den 20er und 30er
Jahren des 20. Jahrhunderts die Arbeit der Rikscha-Wallahs hinsichtlich ihrer
Vereinbarkeit mit der Menschenwürde hinterfragt und zahlreiche neue technische
Varianten eingeführt wurden Die richtige „Revolution“ fand jedoch erst statt, als der Rikscha-Wallah auf ein Rad gesetzt wurde, womit auch größere Mengen an Gütern und Menschen transportiert und längere Strecken zurückgelegt werden konnten. Dass die Weiterentwicklung der Rikscha auch eine Reihe regionalspezifischer Ausführungen hervorbrachte, sei hier nur am Rande erwähnt. So oder so – die ursprüngliche Form der Rikscha, bei der sich die Rikscha-Wallahs in die aus groben Stricken gefertigten Brustriemen stemmen, um das Gefährt in Bewegung zu bringen, ist heute wohl weltweit nur noch in Kalkutta zu finden. Aber auch die Fahrrad-Rikscha ist heute nicht unbedroht. Denn obwohl sie nach wie vor von großer wirtschaftlicher und ökologischer Bedeutung ist, ist sie auch das Symbol vieler Politiker für die Unterentwicklung des eigenen Landes, das daher auch von Bussen oder motorisierten Taxen verdrängt werden soll. Sei es, in dem die Rikscha nur noch für bestimmte Teile der asiatischen Metropolen zugelassen wird; sei es, in dem der Austausch der Fahrrad-Rikscha durch eine motorisierte Alternative zum politischen Programm gemacht wird. Dass dabei die Städte leiden, in denen die Luft hierdurch noch schlechter wird, als sie ohnehin schon ist, ist dabei nur ein Ergebnis der Entwicklung. Mindestens ebenso problematisch wenn auch nur selten thematisiert, ist die Vernichtung der Existenz derer, die ohnehin kaum etwas zum Leben haben. Denn für viele ist die Rikscha nicht nur Arbeitsplatz, sondern zugleich ihre Schlafstätte. Die Bekämpfung der Fahrrad-Rikscha trifft also die, die aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen und angesichts der hohen Luftverschmutzung der Metropolen nicht selten von Lungenkrankheiten betroffen sind und die ohnehin über keine Alternativen verfügen. So bietet die im „Schicht-Dienst“ betriebene Rikscha - zum Beispiel in Kalkutta - wenigstens zwei Männern die Möglichkeit, sich und ihre Familien zu ernähren. Und die wirtschaftliche Bedeutung der Rikscha geht noch weiter, denn außer den Fahrern finden auch diejenigen eine Beschäftigung, die in den Produktions-„Schmieden“ oder unzähligen kleinen Bürgersteig-Reparaturwerkstätten arbeiten oder aber den Wallahs an kleinen Ständen Tee und Nahrung anbieten. Um die Rikscha hat sich also eine nicht zu unterschätzende
(Schatten-) Die Rikscha ist also nicht nur ein antiquiertes oder gar überholtes Fahrzeug. Sondern sie ist ein Verkehrsmittel mit Geschichte und Tradition. Sie ist bunt und verschiedenartig, und wenn wir auch alle schon einmal eine Rikscha gesehen haben, so kennen wir doch ihre Vielfalt nicht. Umso erfreulicher ist es, dass die Rikscha uns nun durch eine Wanderausstellung von Walter Keller und Thomas Hoffmann näher gebracht wird, die über die reine Ausstellung hinaus auch noch weiteres (Unterrichts-)Material anbieten. Informationen zur Ausstellung, die auch durch mehrere deutsche Städte tourt, sind zu finden unter www.rikscha-rikscha.de
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