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| Ausgabedatum: 10.05.2004 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Wirtschaft | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Südasien soll Freihandelszone werden Von Jürgen Neitzel
Neuer Schwung Südasien ist weit davon entfernt, ein einheitlicher Wirtschaftsraum zu sein. Eine protektionistische Politik mit Durchschnittszöllen von etwa 30 Prozent verhinderte bisher eine Vertiefung der Wirtschaftsintegration. Der intra-regionale Handel zwischen den SAARC-Mitgliedsstaaten Indien, Pakistan, Sri Lanka, Bangladesh, Malediven, Nepal und Bhutan macht gerade mal 5 % des Gesamthandels aller südasiatischen Länder aus. Im Gegensatz dazu wickeln die EU-Mitglieder 60 % ihres Gesamthandels miteinander ab. Jeder Versuch, den Handel in Südasien zu liberalisieren, scheiterte immer wieder an der indisch-pakistanischen Unversöhnlichkeit. Einzelne Staaten der Region, wie Indien und Sri Lanka, schlossen deshalb bilaterale Freihandelsabkommen. Doch nun gibt die politische Annäherung zwischen den Erzrivalen Indien und Pakistan der Idee einer Freihandelszone neuen Schwung. Ab 1.Januar 2006 sollen Zölle und andere Handelsbarrieren schrittweise abgebaut werden. Am Ende des Prozesses würde mit 1,4 Milliarden Einwohnern - ungefähr ein Viertel der Menschheit - die größte Wirtschaftseinheit der Welt entstehen. Wirtschaftliche Stolpersteine Doch bis es soweit ist, gilt es für alle beteiligten Länder noch schwierige Hindernisse zu überwinden. So muss ein dauerhafter Frieden zwischen Indien und Pakistan etabliert werden. Hinzu kommen eine Reihe von wirtschaftlichen Stolpersteinen, die aus dem Weg geräumt werden müssen. Wirtschaftlich fortgeschrittene Nationen wie Indien befürchten, dass ärmere SAARC-Staaten ihre Märkte mit billigen Gütern überschwemmen. Der Durchschnittslohn in Indien beträgt ca. 66 US-Cent pro Stunde; Arbeiter in Sri Lanka verdienen gerade mal die Hälfte. Hinzu kommt, dass die Länder der Region oftmals die gleichen Produkte exportieren (wie Tee und Textilien) und sich dadurch gegenseitig Konkurrenz machen. Die Volkswirtschaften verhielten sich zu "asymmetrisch", meint darum Ralf Langhammer, Vize-Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft und hält den geplanten Zusammenschluss für wenig sinnvoll. Politik der kleinen Schritte SAARC versucht, diesen Herausforderungen mit einer Wirtschaftspolitik der kleinen Schritte zu begegnen. So sieht das Freihandelsabkommen eine gestaffelte Beseitigung der Handelsbeschränkungen vor. Demnach müssen die größten Volkswirtschaften Südasiens - Indien, Pakistan und Sri Lanka - ihre Importzölle bis 2013 auf 0-5 % senken. Die übrigen vier Mitgliedern - Bangladesh, Malediven, Nepal und Bhutan - haben dazu zwei Jahre mehr Zeit. Jedem SAARC-Mitglied ist es zudem erlaubt, eine Liste "sensitiver" Produkte zu erstellen, für die die anvisierten Zollsenkungen nicht gelten. An der Formulierung und Umsetzung dieser Ausnahmeregelungen wird sich zeigen, wie ernst es alle Seiten mit der Freihandelszone meinen. Um das Projekt erfolgreich zu vollenden, werden vor allem Indien und Pakistan eine größere Konzessionsbereitschaft zeigen müssen. Wirtschaftliche Impulse für die gesamte Region Trotz aller politischer und wirtschaftlicher Bedenken gibt es zur Schaffung einer südasiatischen Freihandelszone keine Alternative. Bei einem Scheitern drohen Alleingänge der grossen Staaten zum Schaden der kleineren Nationen. So könnte Indien sich stärker in Richtung Südostasien (ASEAN) orientieren. In politischen Kreisen kursieren auch politische Gedankenspiele einer größeren Gemeinschaft mit Myanmar (Birma), Afghanistan und Iran. Politiker und Wirtschaftsexperten versprechen sich von der Freihandelszone SAFTA einen wirtschaftlichen Schub für den regionalen Handel, von dem alle Seiten profitieren werden. Die Erfahrungen aus dem Freihandelsabkommen zwischen Indien und Sri Lanka scheinen diese optimistischen Prognosen zu bestätigen. Zwei Jahre nachdem der bilaterale Handel liberalisiert wurde, stiegen die Exporte Sri Lankas nach Indien um über 40 %; das gesamte Handelsvolumen wuchs um über 50 %. Weit stärkere Handelsimpulse erwarten Wirtschaftsexperten für die indisch-pakistanischen Handelsbeziehungen. Momentan tauschen beide Länder offiziell Waren und Dienstleistungen im Wert von 200 Mio. US$ aus. 10mal so viel wird Schätzungen zufolge inoffiziell, das heisst über dritte Länder bzw. über Schmuggel, abgewickelt. Wirtschaftsexperten sehen bei einer Handelsliberalisierung Potential bis 3-4 Mrd. US$. Jahrzehntelang importierte Pakistan aus Australien, Indonesien und Brasilien Reis, Zucker und Eisenerz - alles Produkte, die das islamische Land zu günstigeren Transportkosten aus Indien hätte einführen können. Dieser wirtschaftliche Unsinn beginnt sich jedoch schon zu ändern. So hat sich Pakistan Steel dazu entschlossen, nächstes Jahr 1,3 Millionen Tonnen Eisenerz aus Indien zu importieren. Beide Staaten verbinden zudem eine Reihe gemeinsamer wirtschaftlicher Interessen, die jetzt erstmals offen artikuliert werden. "Textilien sind ein Bereich, in dem Indien und Pakistan enger zusammenarbeiten sollten, um die Konkurrenz aus China abzuwehren", erklärt der pakistanische Geschäftsmann M. Zubair Motiwala. |
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