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Ausgabedatum: 28.12.2003 |
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Politik |
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Tauwetter auf dem Subkontinent Mit der Öffnung der Landgrenze (Wagah Border) hat im Frühjahr Tauwetter die frostigen Beziehungen zwischen den beiden verfeindeten Staaten erwärmt. Ganz Indien nahm Anteil daran, wie die erfolgreiche Behandlung eines herzkranken pakistanischen Mädchens möglich wurde. Zur Erinnerung: nach dem beinahe geglückten Überfall islamischer Terroristen auf das indische Parlament im Dezember 2001 legte sich der Schatten eines drohenden Krieges auf den Subkontinent. Bild: Indische und pakistanische Soldaten feiern gemeinsam das moslemische Eid-Mubarak Fest
Die Antwort Pakistans ließ eine Woche auf sich warten und war, auch wenn einige Vorschläge ohne Bedingungen (z. B. Sportbeziehungen) akzeptiert wurden, im Unterton gereizt. Dies ist in gewissem Maße verständlich, da es dem Konzept der Diplomatie grundsätzlich widerspricht, die Gegenseite durch in aller Öffentlichkeit und ohne Abstimmung vorgebrachte Avancen in Zugzwang zu bringen. Der Sprecher des pakistanischen Außenministeriums Khokar wies des weiteren darauf hin, dass einige Aspekte der indischen Vorschläge schon längst Gegenstand aktueller bilateraler Expertengespräche seien und zum Teil ursprünglich sogar auf pakistanische Anregung zurückgingen (z.B. ein rotes Telefon zwischen den Küstenwachen beider Staaten). Letztlich hat Pakistan jedoch die indische Initiative als eine propagandistische Attacke in der Auseinandersetzung um Kaschmir gewertet und Gegenvorschläge unterbreitet, die leider nicht mehr bewirkten, als die Neurotisierung des pakistanischen Staatswesen durch die Kaschmirfrage zu belegen. Der "humanitäre Angriff" des großen Nachbarn wird durch drei Gegenvorschläge vermeintlich pariert: 100 Stipendien für kaschmirische Studenten, medizinische Hilfe für die Opfer indischer Sicherheitsoperationen in Kaschmir und schließlich die Einschaltung international anerkannter NGOs, wie z.B. Amnesty International, um die angebotenen Hilfen auch zu gewährleisten. Erwartungsgemäß bekundete die indische Seite ihre Enttäuschung über die pakistanische Reaktion. Außenminister Yaswanth Singh bescheinigte dem Nachbarn an einer Kaschmir-Obsession zu leiden. Tatsächlich scheint es so, dass Pakistan sich noch gegen eine Akzeptanz des Mechanismus "Wandel durch Annäherung" sperrt. Nicht nur damals im Kalten Krieg zwischen den beiden deutschen Staaten, sondern in der Logik jeglicher Konfliktlösungsstrategien spielt die erzielbare Übereinkunft in Gebieten außerhalb des eigentlichen Streits die entscheidende Rolle, immer weitere Annäherung, Vertrauen und letztlich Wandel zu erreichen. Die pakistanischen Regierungsberater wären gut beraten, ihre Nasen tief in die Geschichtsbücher vergangener diplomatischer Schlachten zu versenken. Angeblich wäre die pakistanische Reaktion ohne die Einflussnahme des amerikanischen Außenministers Colin Powell noch harscher ausgefallen; das lässt nichts Gutes für Pakistan ahnen, falls Indien an der Strategie der Charme-Offensiven festhält. Doch trotz aller Skepsis: die Annäherung zwischen beiden Staaten geht weiter. Einseitig verkündete Pakistan einen Waffenstillstand entlang der gemeinsamen Kaschmir-Grenze. Die indische Anregung, die Waffenruhe auf den Siachen-Gletscher auszuweiten, wurde von pakistanischer Seite akzeptiert.
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