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Ausgabedatum: 25.07.2001 |
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Erhöht die nukleare Bewaffnung Indiens Sicherheit Seit im Mai 1998 zuerst Indien und kurz darauf Pakistan atomare Testbomben zündeten und beide Länder ein Jahr später sich im Hochgebirge des Himalaya einen erbitterten Waffengang ("Kargil-Konflikt") lieferten, gilt die indo-pakistanische Grenze "als die gefährlichste der Welt" (Bill Clinton). Erhöht nun die indische nukleare Option die Sicherheit des Landes oder gefährdet sie diese zusätzlich? Der Indien-Newsletter erklärt den historisch-strategischen Hintergrund. Gleichzeitig wirft der Beitrag Fragen auf, die zu einer weiteren Beschäftigung mit dem Thema animieren sollen. Und schließlich fragen wir unsere Leser nach Ihrer Meinung. Seit dem Abzug der Engländer haben die beiden aus Britisch-Indien entstandenen Staaten drei reguläre Kriege ausgefochten (1947, 1965, 1971). Der Dauerkonflikt mündete 1971 in der Abspaltung Bangladeshs von Pakistan. Der Zankapfel Kaschmir verwickelt beide Kontrahenten in eine kräftezehrende militärische Konfrontation entlang des Siachen-Gletschers in über 5000 m Höhe. Pakistan unterstützt mehr oder weniger offen Separatisten in Kaschmir und im Panjab. Indien unterstützt andererseits die Gegner Pakistans in Zentralasien, namentlich in Afghanistan. Dabei steht die konventionell-militärische Überlegenheit Indiens über Pakistan außer Zweifel. Den Kargil-Krieg haben Indien und Pakistan ohne eine nukleare Eskalation überstanden. Unübersehbar war, daß Indien insgesamt jegliche Möglichkeit der Eskalation scheute und nicht die Demarkationslinie überschritt, um die sogenannten Rebellen, die offen von pakistanischen Regulären geführt wurden, im Rücken anzugreifen. Dies kann verschieden interpretiert werden: hat die Gefahr der nuklearen Eskalation die Möglichkeit Indiens, seine konventionelle Überlegenheit auszuspielen, geschmälert oder hat sie insgesamt beigetragen, den Konflikt zu begrenzen? Das lokale Konfliktpotential wird überlagert durch die Einflußnahme der Großmächte: von China als werdender Großmacht, von Rußlands schwindender Bedeutung und von den USA, deren Haltung zu Indien angesichts der nuklearen Ambitionen deutlich ambivalent ist. Indien und China hielten sich anfänglich, beseelt vom Geist der Blockfreiheit und des Antiimperialismus, für Freunde: doch das änderte sich rasch. 1951 annektierte China das friedliche Tibet, 1964 demütigte es Indien in einem sechswöchigen Grenzkrieg und annektierte die Provinz Aksai Chin im westlichen Himalaya. Die Entwicklung einer nuklearen Kapazität Pakistans (insbesondere im Bereich der Trägerwaffen) wäre ohne die Unterstützung Pekings nicht möglich gewesen. Auf der Ostseite des Subkontinents hilft China als nahezu einzige Macht der Welt dem hoffnungslos delegitimierten Militärregime in Burma, das diese Zuwendung mit der Preisgabe des Landes an chinesische Wirtschaftsinteressen und dem Zugang Pekings zum Golf von Bengalen honoriert. Um trotz dieser Bedrohung aus China handlungsfähig zu bleiben, begab sich Indien 1971 unter den atomaren Schutzschirm der Sowjetunion. Mit dem Ende der zweiten Großmacht 1991 ist dieser Schutz erloschen. Die US-amerikanischen Interessen sind traditionell durch "non-proliferation" (Nichtverbreitung) von Atomwaffen bestimmt. Diese Haltung wird politisch untermauert durch die Doktrin, nach dem der "legitime" Besitz von Atomwaffen auf die vier Siegermächte des Zweiten Weltkrieges plus China beschränkt sein soll. Diese US-Sicht der atomaren Bewaffnung wird von Indien vehement kritisiert. Daß die entstehende "Sicherheitsarchitektur" in Südasien über eine wesentliche nukleare Komponente verfügen wird, werden aber die USA nicht mehr ändern können. Der einstmalige Kalte Krieg war im wesentlichen durch Parität gekennzeichnet und der Ausschluss der Möglichkeit eines Erstschlages war entscheidend für die Stabilität des "Gleichgewichts des Schreckens", verursachte aber gleichzeitig auch ein stetiges Wettrüsten. Eine nukleare Parität kann Indien gegenüber China auf unabsehbare Zeit nicht erreichen, wohl aber die Kapazität eines der Bevölkerungszentren Chinas atomar zu treffen. Braucht Indien diese Option um sich der chinesischen Vormacht zu erwehren? (GvO) |
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